Bargeldverbot: Wirtschaftspolitische Utopie im Zeitalter unorthodoxer Geldpolitik

Henrique Schneider

    LI-PAPER. Der Staat soll den Menschen letztlich vorgeben, was sie zu konsumieren haben. Das kann nur scheitern.

    In jüngster Vergangenheit haben verschiedene Ökonomen ein Bargeldverbot vorgeschlagen. Dafür geben sie immer wieder andere Gründe an. Willem Buiter, Chefökonom der Bank Citicorp, argumentiert mit der Technologie und sagt, dass die Benützung von Bargeld etwa so anachronistisch sei, wie wenn man heute noch mit Öllampen beleuchten würde. Aus der Perspektive einer Bank ist dieses Urteil rational, denn die Haltung von Bargeld für ihre Kunden verursacht Kosten, während die Bank für die Benützung elektronischer Zahlungssysteme Gebühren einnimmt. Kenneth Rogofff, ein Ökonom, der in der Tradition der antizyklischen Wirtschaftspolitik steht, d.h. einer Wirtschaftspolitik, die für Interventionen des Staates in die Konjunktur plädiert, argumentiert mit der Bekämpfung von Schwarzgeld und Schwarzarbeit. Nach ihm hat Bargeld in einer Welt mit Null-Inflation und (Steuer-)Kriminalität keine Berechtigung. Ähnlich äusserte sich der ehemalige Ökonom der Bank of England, Jim Leaviss, der in einem Artikel ausführte, dass eine bargeldlose Gesellschaft ausschliesslich dadurch erzielt werden würde, dass «jeder dazu gezwungen wird, dass er nur elektronisches Geld von einem Konto auf einer Bank, die durch die Regierung betrieben wird, ausgeben kann», ein Konto das dann «durch die Regierung überwacht oder direkt kontrolliert wird». Sein Ziel ist, so die Konjunkturschwankungen zu eliminieren.

    Download LI-Paper
    (18 Seiten, PDF)

    Dezember 2015

    liberale-praxis category logo