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Ein liberaler Antiintellektueller

Am 8. Januar 2012 ist der deutsche Ökonom und Publizist Roland Baader nach langer Krankheit verstorben.

Am 8. Januar 2012 ist der deutsche Ökonom und Publizist Roland Baader nach langer Krankheit verstorben. Er hatte bei Friedrich August von Hayek in Freiburg Ökonomie studiert und widmete sich nach dem Verkauf seines Unternehmens ab 1988 voll der Publizistik. Dank seinem kämpferischen und bewusst unakademischen Schreibstil ist Roland Baader für viele jüngere kompromisslose Freunde der Freiheit zu einer Art Vaterfigur geworden.

Während die Österreichische Schule der Nationalökonomie mit ihren bekanntesten Vertretern, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek, an den europäischen Universitäten, wenn überhaupt, nur ideengeschichtlich vermittelt wird, gibt es inzwischen verschiedene Meinungsträger, die von der Aktualität und Zukunftsträchtigkeit ihres erkenntnistheoretischen und auch wirtschafts- und finanzpolitischen Ansatzes überzeugt sind. Diese Überzeugung wird zunehmend auch in die mediale und akademische Diskussion eingebracht. Baader ist es als akademischem Aussenseiter in seinen Büchern und Artikeln gelungen, den entscheidenden und politisch aktuellen Kern dieser ebenso rationalitätskritischen wie staatsskeptischen Denkmethode vereinfacht, doch unverfälscht darzustellen. Die Österreichische Schule ist heute für viele zum eigentlichen Gegenpol jener Alt-68er Doktrinäre geworden, die unter dem Einfluss der Frankfurter Schule immer noch an einen Primat der Politik und an eine Verbesserung der Menschen durch demokratisch legitimierten Zwang glauben. Baader verfasste Texte, die mit der richtigen Mischung von Allgemeinverständlichkeit, Engagement und Kampfgeist auch eine jüngere Leserschaft zu begeistern vermochten.

Schon wenige Stunden nach der Bekanntgabe seines Hinschieds kam es auf dem Internet zu einer eigentlichen Lawine von sehr persönlichen Würdigungen. Es ist zu wünschen und zu hoffen, dass sein liberales Vermächtnis auch über diesen kleineren Kreis hinaus wirksam bleibt.

Robert Nef

(Publiziert in der Neuen Zürcher Zeitung vom 14. Januar 2012)

14. Januar 2012