Führt staatliches «Sparen» in die Rezession?

Das Zurückdrängen des Staates lässt die Privatwirtschaft erblühen - mit einer entsprechenden Wohlfahrtssteigerung für die Bürger.

Vor allem keynesianisch geprägte Ökonomen sind der Überzeugung, dass eine Reduktion staatlicher Ausgaben die Gesamtnachfrage derart schwächt, dass eine Volkswirtschaft in die Rezession abzurutschen droht. Was aber ist eine Rezession? Eine Rezession wird definiert als ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts. Und wie setzt sich dieses zusammen? Es ist die Summe der innerhalb eines Jahres in einem Land hergestellten und dem Verbrauch dienenden Güter und Dienstleistungen.

Die rezessive Wirkung staatlichen «Sparens» ist daher schlicht der Definition einer Rezession geschuldet. Wann immer der Staat mehr ausgibt, steigt formell betrachtet das Bruttoinlandsprodukt. Damit gehen die Makroökonomen den eigenen Definitionen auf den Leim: Maximales Staatswachstum würde ja ein maximales Wirtschaftswachstum bedeuten. Nordkorea als Insel des Wohlstands.

Warum sind aber offensichtlich staatliche Ausgaben nicht automatisch gut für die Wohlfahrt der Menschen? Ganz einfach: Entscheidend ist die Frage, woher Vater Staat das Geld nimmt, das er so grosszügig ausgibt. Er nimmt es nämlich den Individuen - durch Steuern, Schulden und Inflation. Alle drei Formen der Staatsfinanzierung schwächen jedoch das Wirtschaftswachstum.

Steuern lassen den Menschen weniger Geld für die eigenen Konsum- und Investitionsausgaben. Der Staat lässt einen Teil des eingenommenen Geldes im Apparat versickern und gibt den Rest aus, wodurch er die reale Nachfrage der Bürger, die das Geld schliesslich erwirtschaftet haben, durch eine falsche, künstliche Nachfrage ersetzt. Diese falsche Nachfrage ist aber nur vorübergehend aufrechtzuerhalten. Relativ schnell entpuppen sich alle Angebote, die sich auf die künstliche Staatsnachfrage ausgerichtet haben, als Fehlinvestitionen. Ein gewaltiger Wohlfahrtsverlust.

Schulden haben eine ganz ähnliche Wirkung, auch wenn sie nicht ganz so offensichtlich dem Geldbeutel der Individuen entnommen werden. Denn erstens speisen sich Staatsschulden häufig aus den Ersparnissen der Bürger. Diese Ersparnisse stehen dann privatwirtschaftlichen Ausgaben nicht mehr zur Verfügung (Crowding out). Zweitens sollten - zumindest theoretisch - staatliche Schulden ja auch irgendwann zurückgezahlt werden. Die Frage, woher dieses Geld dann kommen soll, beschäftigt zur Zeit die Weltfinanzmärkte.

Inflation schliesslich ist die perfideste Form der Staatsfinanzierung. Durch das Drucken von neuem Geld werden zwar staatliche Ausgaben finanziert, zugleich wird jedoch das Vermögen der Bürger zerstört. Inflation ist also eine schleichende Umverteilung vom Bürger zum Staat, die ökonomische Kalkulation erschwert, Sparen bestraft und letztlich die Stabilität einer Wirtschaft massiv beschädigt.

All diese negativen Konsequenzen können jedoch vermieden werden, wenn der Staat weniger ausgibt, wenn er den Bürgern ihr Geld also schlicht lässt. Dann können die Bürger ihr erwirtschaftetes Vermögen nach ihren eigenen, tatsächlichen Bedürfnissen ausgeben und investieren - und so für nachhaltiges Wirtschaftswachstum sorgen. Nichts anderes sind also die vermeintlich so umstrittenen staatlichen Sparmassnahmen: Sie sind eine Rück-Umverteilung staatlicher zu privaten Ausgaben. Das primitive keynesianische Argument gegen staatliches «Sparen» löst sich auf in lauwarme Luft.

Ein sehr schönes Beispiel für diese Zusammenhänge sind die massiven staatlichen Ausgabensenkungsmassnahmen Neuseelands in den 1990er Jahren. Auch damals warnten die staatsgläubigen Ökonomen vor dem unvermeidlichen rezessiven Effekt der Staatsbeschränkung. Doch siehe da: Das Zurückdrängen des Staates liess die Privatwirtschaft erblühen und verschaffte dem kleinen ozeanischen Land einen jahrelangen Boom, der die Wohlfahrt der Bürger massiv steigerte. Dass der Politik und den staatsgläubigen und -abhängigen Intellektuellen eine solche Erkenntnis nicht schmeckt, sollte die Bürger nicht davon abhalten, mit Nachdruck mehr Freiheit, weniger Staat und tiefere Steuern zu fordern. Gerade jetzt!

June 7, 2010