Der Mises-Kreis und die «Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel»

Ein Bericht über spannende Diskussionen zur Zukunft des Geldes.

Der aktuelle Mises-Kreis, dessen erste Sitzung am 17. Mai stattfand, setzt sich mit den Ideen des Buches «Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel» (1912) von Ludwig von Mises auseinander. Gerade in der jetzigen Zeit, in der das langfristige Überleben des Euros in Frage gestellt wird und der Goldpreis (gemessen in USD, CHF, und EUR) neue historische Höchststände erreicht hat, scheint das Thema «Geld» vielen am Herzen zu liegen!

Mises erklärt am Anfang seines Buches, dass Geld nichts anderes als das allgemein gebräuchliche Tauschmittel einer Gemeinschaft ist. Geld ist ein Marktphänomen. Da der direkte Tausch von Gütern und Dienstleistungen in einer Gemeinschaft nicht immer möglich ist, «[...] wird der indirekte Tausch zu einer notwendigen Erscheinung des Marktes.» Im indirekten Tausch werden Güter zuerst gegen Tauschmittel, d.h. Güter die man selber nicht konsumieren will, und diese dann später gegen andere Güter getauscht. Nicht alle Güter sind aber gleich gut geeignet für die Funktion des Tauschmittels, und: «So wurden die jeweilig absatzfähigsten Güter zu allgemein gebräuchlichen Tauschmitteln, [...].» Nach einem langen Prozess der Ausscheidung von weniger absatzfähigen Tauschmitteln blieben in der zivilisierten Welt nur noch Gold und Silber als allgemein gebräuchliche Tauschmittel übrig. Bald danach entwickelten sich aber zudem Geldforderungen, also Ansprüche auf Geld, die jederzeit in Geld einlösbar waren. Die Popularität solcher Geldforderungen erklärt Mises dadurch, dass Geld das einzige ökonomische Gut ist, welches genau dieselbe Funktion haben kann wie ein Anspruch auf sich selbst. Während man einen Anspruch auf Geld (eine einlösbare Banknote oder ein Kontokorrent) auch als Geld verwenden kann, kann man z.B. nicht einen Anspruch auf einen Laib Brot als Lebensmittel oder einen Anspruch auf ein Auto als Transportmittel benutzen.

Mises unterscheidet zwischen drei möglichen Geldarten (Geld im engeren Sinne), auf denen das ganze monetäre System einer Gemeinschaft aufgebaut sein kann: Sachgeld, Kreditgeld, und Zeichengeld. Sachgeld ist ein allgemein gebräuchliches Tauschmittel, das aus einer Ware besteht. Historische Beispiele dafür sind: Kakaobohnen, Kühe, Zigaretten, Kupfer, Silber, Gold, etc. Kreditgeld ist ein allgemein gebräuchliches Tauschmittel, das einen nicht (mehr) erfüllbaren Anspruch auf Sachgeld enthält, das aber möglicherweise in Zukunft wieder einlösbar gemacht werden könnte. Historische Beispiele hierfür sind: das britische Pfund während der «Restriction Period» (1797-1821) und zwischen den Weltkriegen (1914-1925), und die US-Greenbacks/United States Notes (1861-1879). In diesen Perioden waren die jeweiligen Geldforderungen zwar nicht jederzeit in Sachgeld (in diesen Fällen Gold) einlösbar, aber es war auch nicht auszuschliessen, dass die Einlösbarkeit in Zukunft wieder eingeführt werden könnte, was dann auch tatsächlich geschah. Zeichengeld ist ein Tauschmittel, das gar keinen Anspruch auf Sachgeld enthält und von dem nicht erwartet werden kann, dass es in Zukunft jemals in Sachgeld einlösbar gemacht wird. Mögliche Beispiele sind: die Reichsmark (1920-1924) und der Simbabwe-Dollar (2006-2009).

Allerdings ist sich Mises gar nicht sicher, ob das Zeichengeld jemals wirklich existiert hat. War es nicht immer möglich zu erwarten, dass die Geldforderungen in Zukunft wieder einlösbar werden könnten? Sind unsere jetzigen nationalen Währungen wirklich Zeichengeld oder könnten sie nicht auch Beispiele von Kreditgeld sein? Wenn wir z.B. die Bilanz der Schweizerischen Nationalbank anschauen, sehen wir, dass sie beim jetzigen Goldpreis bereits mehr als 40% ihrer Zentralbankgeldmenge mit Goldreserven deckt. Ist es wirklich so abwegig zu meinen, dass es in Zukunft vielleicht wieder möglich sein wird, die Banknoten der SNB gegen Gold einzulösen? Die Diskussion geht weiter.

25. Mai 2010