Man konnte kaum hinsehen. Alkoholisierte Jugendliche feiern ausgelassen – mit Feuerwerken, unter einer brennenden Decke. In einem Kellerclub. Bis es zu spät war.
So tragisch diese Bilder aus Crans-Montana auch sind, so sinnbildlich sind sie für die heutige Null-Risiko-Gesellschaft. Der Glaube an die positiven Effekte der staatlichen Regulierung sind auf ein derart absurdes Niveau angewachsen, dass die eigene Verantwortung in fast allen Lebenssituationen blind an Behördenvertreter outgesourct wird. Der fatale Trugschluss dominiert, wonach alles, was im Überregulierungsdschungel noch behördlich unangetastet oder erlaubt ist, automatisch auch sicher sein muss.
Als der Westen einst noch für Freiheit, Selbstbestimmung und Selbstverantwortung stand, wussten die Bürger, dass sie für ihr Schicksal selbst verantwortlich waren. Dies förderte den gesunden Menschenverstand, das kritische Denken sowie die Wachsamkeit in allen Situationen. Kaum jemandem wäre es vor dem Zeitalter der totalen Kaputtregulierung in den Sinn gekommen, in einem mit hochentzündlichen Kunststoff-Lärmschutzmatten überzogenen Keller Feuerwerk zu zünden.
Staatliche Risikovermeidung ist riskant
Die heutige Null-Risiko-Gesellschaft entpuppt sich – wie die Crans-Montana-Tragödie leider gezeigt hat – als verhängnisvolle Fata Morgana. Es ist ein grosses Missverständnis, wenn man meint, Risiken liessen sich durch staatliche Feinregulierung verringern oder ausschalten. Ganz im Gegenteil. Die vermeintliche Abnahme von Risiken durch den Staat zerstört das Verantwortungsgefühl und erhöht dadurch die Gefahren für den Einzelnen.
Obwohl jährliche Brandschutzkontrollen vorgeschrieben waren, fanden in der betroffenen Bar offenbar schon seit 2019 keine solchen Kontrollen mehr statt. Wer glaubt, etwas sei frei von Risiken, nur weil der Staat es in seinen Gesetzestexten so regelt, hat das Grundproblem des Staates leider noch nicht begriffen.
Staatsangestellte operieren fernab jeglicher marktwirtschaftlicher Korrekturmechanismen. Während Unternehmer, die Fehler machen, umgehend durch Verluste diszipliniert und vom Markt verdrängt werden, fehlen bei Politikern und Behördenvertretern jegliche Anreize, zuverlässige, qualitativ hochstehende Arbeit zu leisten.
Politiker und Behörden haben kein «Skin in the Game», wie es Nassim Taleb in seinem gleichnamigen Buch treffend zum Ausdruck brachte. Sie haften bei Fehlverhalten im Gegensatz zu privaten Akteuren auch nicht mit ihrem persönlichen Vermögen. Von Freiheitsentzug ganz zu Schweigen. Vielmehr geniessen sie in den meisten Fällen Immunität und schlängeln sich durch irgendwelche Hintertürchen in so gut wie allen Fällen aus der Affaire raus. Als ob nichts geschehen wäre, beziehen sie auch weiterhin ihre überdurchschnittlichen Gehälter, die sie unter Androhung von Zwang und Gewalt von den Bürgern herauspressen.
Oder haben Sie vielleicht etwas davon mitbekommen, dass die verantwortlichen Bürokraten jetzt eine saftige Busse bezahlen oder für ihr folgenreiches Versäumnis viele Jahre hinter Gitter müssten? Eben…
Abschied von der Vollkasko-Mentalität
Gerade auch weil das so ist, ist es besonders gravierend und naiv, sich auf Politiker und Behördenmitglieder zu verlassen. Nicht, weil diese schlechtere Menschen wären. Sondern, weil katastrophale Anreize zu katastrophalem Fehlverhalten führen.
Es ist höchste Zeit, sich vom kindlichen Irrglauben zu lösen, der Staat mache unser Leben sicherer. Vielmehr ist es Zeit, erwachsen zu werden und sich wieder auf unsere Erfolgspfeiler zurückzubesinnen: möglichst wenig Staat, möglichst viel Markt. Nur dies bewahrt uns davor, dass das kritische Denken, die Eigenverantwortung, der wachsame Geist und damit auch die Zivilisation langsam erodieren.
Lesen Sie zu diesem Thema auch unsere Grundsatzanalyse im Buch Null-Risiko-Gesellschaft: Zwischen Sicherheitswahn und Kurzsichtigkeit.



