Das Corona-Virus und die Blasenökonomie

Die Börsen stürzen ab. Dafür allein das Corona-Virus verantwortlich zu machen, ist zu einfach.

So wie der «Immobiliencrash» von 2008 vereinfachend den «gierigen Spekulanten» und die Eurokrise dem «überschuldeten Griechenland» angelastet wurden, droht nun das Corona-Virus zum Sündenbock für den aktuellen Börsenkrach zu mutieren. Darauf deuten bereits Aussagen diverser Regierungen hin: Man tut so, als sei lediglich das Virus das Problem der Wirtschaft, während die über viele Jahre aufgebauten strukturellen Ungleichgewichte in Form von staatlich am Leben erhaltenen Zombie-Unternehmen und rekordhoher Verschuldung an allen Fronten ausgeblendet werden. Das wäre in etwa so, wie wenn man nur jenen für eine Explosion verantwortlich machen würde, der ein brennendes Zündholz fallen lässt, nachdem zuvor andere mutwillig und breitflächig Benzin ausgeschüttet haben.

Diese Interpretation würde einmal mehr den entscheidenden Komplizen unerkannt entwischen lassen: die Zentralbanken. Genauso wie die Spekulanten und die Probleme in Griechenland lediglich eine der vielen möglichen Nadeln waren, an denen frühere Blasen hätten platzen können, ist auch das Corona-Virus nur einer von vielen möglichen Katalysatoren, welcher den sich längst von realen Werten entkoppelten Märkten die Luft ablassen könnte — wie stark, muss sich in den kommenden Wochen und Monaten erst noch weisen.

Eine weltweite Pandemie diesen Ausmasses — erst noch in Kombination mit einem Ölpreisschock — hätte bestimmt auch unter geldpolitisch «normalen» Umständen eine Marktkorrektur zur Folge. Jedoch dürften die Konsequenzen in der heutigen Blasenökonomie um ein Vielfaches gravierender sein, wie LI-Vizedirektor Olivier Kessler in der «Finanz und Wirtschaft» aufzeigt.

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Das Corona-Virus und die Blasenökonomie

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21. März 2020