Gesundheit oder Wirtschaft?

Olivier Kessler

    LI-PAPER. In aktuellen Diskussionen wird ein Widerspruch impliziert, der in Wahrheit gar nicht vorhanden ist.

    Ist der Schutz der Gesundheit wichtiger als das Wohl der Wirtschaft? Impliziert wird mit dieser Fragestellung eine Dichotomie zwischen «den Interessen der Wirtschaft» einerseits und «der Gesundheit» andererseits, die es in der Realität gar nicht gibt. Die Vorstellung, «die Wirtschaft» müsse den Gesundheitsinteressen untergeordnet werden, geht zu einem gewichtigen Teil auf eine klischeebehaftete Vorstellung von Wirtschaft zurück. Demgemäss handeln in «der Wirtschaft» typischerweise Akteure, die ihr egoistisches Streben nach einer sinnlosen Anhäufung von Geld über das Allgemeinwohl stellen und daher bereit sind, für die persönliche Profitmaximierung sprichwörtlich «über Leichen zu gehen». Doch bereits Adam Smith war klar, dass das Erzielen von Gewinnen in einer freien Marktwirtschaft nur für jene möglich ist, die sich um das Wohl ihrer Mitmenschen kümmern. Es gibt keine legalen Profite «auf Kosten anderer».

    Ein weiterer Grund, weshalb «die Wirtschaft» angeblich «der Gesundheit» untergeordnet werden müsse, geht auf die Annahme zurück, dass das Geldverdienen an sich moralisch anrüchig sei. Das Geldverdienen ist aber ein wesentlicher Anreiz, um auf die eine oder andere Art wirtschaftlich tätig zu werden, für sich und seine Familie zu sorgen und anderen Gutes zu tun.

    «Die Gesundheit» und «die Wirtschaft» sind keine Gegensätze. Erst das Erzielen von Gewinnen ermöglicht beispielsweise weitere Investitionen im Gesundheitswesen, was wiederum zu einer Verbesserung von Gesundheitsleistungen und einer höheren Lebenserwartung führt. Wer propagiert, «die Gesundheit der Menschen» stünde über «den Bedürfnissen der Wirtschaft» und wer die wirtschaftliche Freiheit unter diesem Vorwand stark und dauerhaft einschränkt, gefährdet beides.

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    April 2020

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