Die Schweiz ist das Land mit der europaweit höchsten und weltweit zweitgrössten wirtschaftlichen Freiheit. Das zeigt der Jahresbericht des Index für wirtschaftliche Freiheit 2026, der in der Schweiz vom Liberalen Institut mitherausgegeben wird. Die Schweiz konnte damit im Vergleich zum Vorjahr zwei Plätze gutmachen. Hong Kong kann seinen Spitzenplatz trotz zunehmendem Einfluss aus China und abnehmender wirtschaftlicher Freiheit vorerst verteidigen.
Gefolgt wird die Schweiz im diesjährigen Ranking von Singapur (3. Platz), Neuseeland (4. Platz) und den USA (5. Platz). Die Schlusslichter bilden der Sudan (163. Platz), Simbabwe (164. Platz) und Venezuela (165. Platz). Diktaturen wie Kuba und Nordkorea werden wegen fehlender Daten im Ranking nicht aufgeführt.
Die weltweite wirtschaftliche Freiheit ging infolge der Corona-Massnahmen zurück, da die politischen Entscheidungsträger neue Vorschriften erliessen, Handelsbarrieren erhöhten, den Staatsapparat ausweiteten und anschliessend Geld druckten, um die Ausgaben zu finanzieren. Zwar haben die Staaten begonnen, diese Massnahmen rückgängig zu machen, doch hat die wirtschaftliche Freiheit im Durchschnitt der Länder noch nicht wieder das Niveau vor Corona erreicht.
USA schränken wirtschaftliche Freiheit ein
Zwar ist 2024 das jüngste Jahr, für das uns umfassende Daten aus allen 165 Ländern vorliegen, doch veröffentlichen die USA ihre Daten häufiger, sodass wir eine vorläufige Einschätzung der wirtschaftlichen Freiheit in den USA im ersten Jahr der Trump-Regierung vorlegen können. Wir stellen fest, dass die Vergrösserung des Staatsapparats, ein schwächerer Schutz der Eigentumsrechte und der Rechtsstaatlichkeit sowie erhebliche Einschränkungen der Handelsfreiheit im Jahr 2025 zu einem Rückgang der wirtschaftlichen Freiheit in den USA um 0.12 Punkte geführt haben.
Javier Mileis Reformen zeigen positive Wirkung
2024 war ausserdem das erste Jahr, in dem sich die Reformen von Javier Milei in Argentinien in den Daten niederschlugen. Es kann festgestellt werden, dass der Indexwert Argentiniens im Jahr 2024 um 0.51 Punkte gestiegen ist. Damit gehört diese Veränderung zu den obersten 98 Prozent aller einjährigen Veränderungen des Index. Zum Vergleich: Die mediane Veränderung innerhalb eines Jahres beträgt 0.01, und die Veränderung im 95. Perzentil liegt bei 0.30.
Leider sind derart grosse Zuwächse im Laufe der Zeit seltener geworden. Vierzig der 62 Zuwächse dieser Grössenordnung fanden vor 2009 statt. Und sie treten meist in kleinen Volkswirtschaften auf, die sich in einer Nachkonfliktsituation befinden.
Aus der Literatur geht hervor, dass ein Anstieg des Index wirtschaftlicher Freiheit um eine Standardabweichung mit einem Anstieg des realen BIP pro Kopf um fast eine halbe Standardabweichung einhergeht. Der Zuwachs von 0.51 Punkten in Argentinien bedeutet somit einen Anstieg des realen BIP pro Kopf um etwa eine Viertel Standardabweichung, was einem um rund 30 Prozent höheren BIP pro Person entspricht.
Wirtschaftliche Freiheit zahlt sich für die Menschen aus
Der Bericht, der sich auf Daten aus dem Jahr 2024 bezieht, bestätigt den engen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Freiheit und Wohlfahrtsentwicklung.
Die wichtigsten Ergebnisse erklären wir Ihnen auch in unserem Video:
Vergleicht man die 25 Prozent der Länder mit der grössten wirtschaftlichen Freiheit mit den 25 Prozent der Länder mit der geringsten Freiheit, so stellt man Folgendes fest:
- Das Durchschnittseinkommen ist in den 25 Prozent freisten Ländern mit 65.596 USD 6.9-mal höher als in den 25 Prozent unfreisten Ländern, wo das Einkommen lediglich 9.552 USD beträgt.

- Das Einkommen der untersten 10 Prozent ist in den freisten Ländern 7.1-mal höher. Ausserdem sind in den freisten Ländern lediglich 2.1 Prozent der Bevölkerung von extremer Armut betroffen (Einkommen von unter 4.20 USD pro Tag), während in den unfreisten Ländern 41.1 Prozent der Bevölkerung unter extremer Armut leiden.

- Die Menschen leben in den freisten Ländern rund 14 Jahre länger (80.7 Jahre) als in den unfreisten Ländern (67.1 Jahre).

- Die Menschen arbeiten in den freisten Ländern sechs Stunden weniger pro Woche (33.5 Stunden) als in den unfreisten Ländern (39.5 Stunden).

- Die Säuglingssterblichkeit fällt in den wirtschaftlich freisten Ländern mit 0.5 Prozent weitaus geringer aus als in den unfreisten Ländern, wo im Durchschnitt 3.3 Prozent der Säuglinge sterben.

- Die Menschen sind zufriedener mit ihrem Leben.

- Die Staaten sind weniger korrupt.

- Die wirtschaftlich freisten Länder schneiden punkto Umweltschutz um 50 Prozent besser ab als wirtschaftlich unfreie Länder. Gemäss dem Environmental Performance Index holen sie sich durchschnittlich 60 Punkte, während die unfreien Länder lediglich bei 40 Punkten stehen.

Die Schweiz im internationalen Vergleich
Die Schweiz kommt im aktuellen Rating auf die folgenden Werte (auf einer Skala von 1 bis 10):
- Umfang der Staatstätigkeit: wie im Vorjahr bei 7.7. Weltweit ist das nur Platz 28 in diesem Bereich.
- Rechtsstaatlichkeit und Schutz des Privateigentums: Verbesserung von 8.3 auf 9.0. Die Schweiz belegt damit weltweit Rang 4 in diesem Bereich.
- Zugang zu stabilem Geld: leichte Verbesserung von 9.6 auf 9.7. Hier belegt die Schweiz weltweit den ersten Platz.
- Freiheit zu weltweitem Handel: Verbesserung von 8.1 auf 8.4. Weltweit ist das nur Platz 45 in diesem Bereich.
- Regulierungsdichte: leichte Verschlechterung von 7.7 auf 7.6. Damit liegt die Schweiz in diesem Bereich auf Platz 17.
- Zusammengenommen kommt die Schweiz damit auf eine Gesamtbewertung von 8.5.



