Die Welt steht am Abgrund. Jeder noch so kleine Funken könnte das Pulverfass zum Explodieren bringen und einen weltweiten Flächenbrand entfachen – mit Konsequenzen, die man sich im 21. Jahrhundert kaum noch vorstellen kann. Von einer Energiekrise über Hungersnöte bis hin zu einem Dritten Weltkrieg scheint derzeit alles möglich.
Wie konnte es bloss so weit kommen? Ein wichtiger Faktor ist, dass es im Wettbewerb der Ideen in den letzten Jahrzehnten – insbesondere seit dem Mauerfall – zu einer bemerkenswerten tektonischen Verschiebung in der westlichen Welt gekommen ist. Langsam aber sicher hatte man sich von den Idealen der Aufklärung verabschiedet und sich der problematischen Ideologie des Etatismus und der gefährlichen Religion der Staatsgläubigkeit zugewandt.
Europa war früher über lange Zeit ein extrem gewalttätiger Kontinent. Doch plötzlich, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, sind Kriege in Europa rarer geworden. Was war passiert? Die Ideen der Aufklärungsbewegung entfalteten nach und nach ihre Wirkung.
Nicht nur eine massive Ausweitung der wirtschaftlichen Produktion aufgrund der Industrialisierung war zu beobachten – und in der Folge ein gigantischer Wohlstandsanstieg. Auch setzte sich die wichtige Idee durch, jedes Individuum könne und solle sich seiner eigenen Vernunft bedienen und danach handeln.
Fortan konnte das Individuum in immer mehr Lebensbereichen für sich selbst Entscheidungen fällen und musste nicht einen König oder Religionsführer um Erlaubnis bitten. In der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts verlor das Kollektiv, das «Volk» oder der Stamm an Bedeutung. Vielmehr war das einzigartige Individuum und die Selbstbestimmung das Mass aller Dinge.
Es wurde nach und nach erkannt und anerkannt, dass jedes Individuum von Gott das natürliche Recht zugesprochen bekommen hat, sich selbst, seine Freiheit und sein physisches Eigentum zu erhalten. Der Schutz von Leib, Leben und Privateigentum waren daher die zentralen Pfeiler, auf die man sich in dieser tendenziell liberalen Epoche stützte.
Der Grund, weshalb Kriege heute wieder wahrscheinlicher geworden sind, ist die Rückkehr des Antiindividualistischen. Nur wenn man sich nicht um das Individuum schert, schickt man andere Menschen in den Krieg. Man opfert den Einzelnen nur dann, wenn man von der Vorstellung besessen ist, dass es im Diesseits etwas Grösseres gebe als das Individuum – einen höheren Zweck, dem sich alle zu unterwerfen haben und der jedes Mittel rechtfertige.
Wenn heute eine Mehrheit glaubt, dass das Kollektiv oder ein politischer Anführer individuelle Naturrechte systematisch ausser Kraft setzen und Menschen mit immer höheren Steuern um ihr Eigentum betrügen und sie wie Figuren auf einem Schachbrett herumschieben dürfe, liegt die Idee der Aufklärung auf dem Sterbebett und die das Tor zur Barbarei kann sich jederzeit öffnen.
Wo das Naturrecht nicht mehr respektiert wird und die breite Masse Menschenrechtsverletzungen achselzuckend hinnimmt – oder noch schlimmer: die dafür verantwortlichen etatistischen Ideologien sogar noch mit dem Wahlzettel an der Urne unterstützt –, da werden Kriege nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich.
Es ist Zeit für ein Umdenken, geschätzte Damen und Herren. Es ist 5 vor 12. Kaum jemals war es wichtiger, für die Ideen der Aufklärung einzustehen und für diese zu werben – für Freiheit, Selbstbestimmung und Frieden sowie den Respekt von Leib, Leben und Privateigentum.



