Auswege aus dem Papiergeldmonopol?

Die LI-Tagung vom 18. April erörterte Alternativen zur expansiven Geldpolitik der Zentralbanken.

«Wie weiter mit unserem Währungssystem?», so lautete die grundlegende Frage der jüngsten LI-Geldtagung, an der sowohl die Sicht der Nationalbank, der ökonomischen und politischen Forschung sowie der Praxis zu Wort kamen. Das Liberale Institut wird sich aufgrund aktueller Ereignisse weiterhin mit der Geldpolitik und der Rolle der Zentralbanken befassen. Es ist in der Tat kaum möglich, wiederkehrende Blasen und Finanzkrisen zu verstehen und sinnvolle Schlussfolgerungen zu ziehen, ohne das Währungssystem und die Geldpolitik als Ur-Ursachen zu thematisieren.

Einführend beleuchtete Marcel Savioz, Forschungsökonom der Schweizerischen Nationalbank und Lehrbeauftragter an der Universität St. Gallen, die Sicht des ökonomischen «Mainstreams». Dabei stellte Savioz einen Wandel in der volkswirtschaftlichen Konsenssicht fest: Während die «neoklassische Synthese» als Kombination klassischer und keynesianischer Lehren die Inflation noch als rein monetäres Phänomen betrachtet habe, gehe die «neue neoklassische» oder auch «neue keynesianische Synthese» davon aus, dass die Inflation vor allem durch die Inflations- und Konjunkturerwartungen der Bürger determiniert werde. Die Zentralbank erhalte damit die schwierige Aufgabe, die Inflation durch ein ständiges Erwartungsmanagement zu steuern. Sie habe zudem die Aufgabe, laufend unerwarteten Entwicklungen durch eine antizyklische Geldpolitik entgegenzutreten.

«Die Grenzen der Geldpolitik»
Vortrag von Dr. Marcel Savioz (11 Seiten, pdf)

Eine politische sowie ökonomische Analyse der europäischen Geldpolitik präsentierte Prof. Philipp Bagus von der Universidad Rey Juan Carlos, Madrid, basierend auf seinem jüngsten Werk «The Tragedy of the Euro». Bagus betonte, dass der Euro vor allem auch als politisches Projekt zu verstehen sei, das auf einer «sozialdemokratischen» oder auch «imperialen» Vision der EU beruhe. Eine rein ökonomische Analyse des Euro müsse daher zu kurz greifen. Eine «Tagödie» stelle der Euro dabei vor allem dar, weil der Finanzierungsmechanismus des EZB Systems Anreize zu einem Verschuldungswettlauf bietet, wie der Fall Griechenland dokumentiert. Eine solche «Tragedy of the Commons» würde wohl unvermeidlich in eine Transferunion führen.

«Die Tragödie des Euro»
LI-Paper von Prof. Dr. Philipp Bagus (9 Seiten, pdf)

Prof. Ernst Baltensperger, Universität Bern und Studienzentrum Gerzensee, beleuchtete im Anschluss die Alternativen zum heutigen Währungssystem. Dabei arbeitete Baltensperger heraus, dass zwei Grundfragen die Geldpolitik seit je beherrschten: jene nach der Wahl zwischen einem Papier- oder Metallgeld sowie jene nach einem Monopol oder Wettbewerb der Geldschaffung. Der völlige Verzicht auf ein Warengeld trat dabei weltweit erst 1973 ein und könne daher als ein recht junges Experiment betrachtet werden, welches auf die Errichtung des staatlichen Währungsmonopols folgte. Ein Versuch, die Geldexpansion im Bankwesen zu bremsen stelle schliesslich der Ansatz des «Narrow Banking» oder Trennbankensystems dar, welches eine 100%-Deckung der Sichteinlagen durch Zentralbankgeld erfordert. Letztlich könne eine freiheitliche und stabile Geldordnung jedoch nur gewährleistet werden, wenn der entsprechende politische Wille gegeben sei.

«Die Währungsverfassung als Teil einer freiheitlichen Ordnung»
Präsentation von Prof. Dr. Ernst Baltensperger (30 Seiten, pdf)

«Währungsstabilität als Ausdruck politischer Verantwortung»
Vortragsversion (mit Appendixen) (20 Seiten, pdf)

Abschliessend zeigte Karl Reichmuth, Präsident des Verwaltungsrates der Privatbank Reichmuth & Co., Wege der Vermögenssicherung angesichts des heutigen, instabilen und expansiven Geldsystems auf. Reichmuth wies darauf hin, dass die Vermögenssicherung heute vor allen den Vertretern niedriger Einkommensschichten schwerfalle: angesichts enormer Geldentwertungen - auch des Schweizer Frankens - müssten Sparer laufend reale Vermögensverluste ertragen. Nur durch eine Investition in Realwerte, welche ein durch das Wirtschaftswachstum geschaffenes Vermögen abbilden, könne der «Inflationssteuer» entgangen werden. Nachdem das Geld heute der Wertaufbewahrungsfunktion nicht mehr gerecht werde, habe also das Bankensystem den Bürgern intelligente Wege der Vermögensbildung und -sicherung anzubieten.

«Freies Marktgeld als Mittel gegen politische Verantwortungslosigkeit»
Vortrag von Karl Reichmuth (7 Seiten, pdf)

Die anschliessende Diskussion unter der Leitung von Elisabeth Tester («Finanz und Wirtschaft») befasste sich unter anderem mit der Wahrscheinlichkeit einer einschneidenden Währungsreform angesichts einer weltweit bedrohlich expansiven Geldpolitik. Dabei wurden internationale Verschiebungen skizziert, welche auch die Schweiz betreffen würden. Die aktuelle Diskussion um die relative Frankenstärke sei dabei wenig zielführend - eine starke Währung biete Investitionsmöglichkeiten sowie Freiräume für mehr Effizienz und Innovation, was langfristig Wohlstand schaffe. Vielmehr sei die Schweiz jedoch, etwa durch den IWF, in ein internationales Geldsystem eingebunden, welches zunehmend Konflikte schüre und Transfers notwendig mache. Es sei daher an der Zeit, Alternativen zum heutigen Geldsystem zu erkunden.

April 25, 2011