Liberales Institut im Dienst der Freiheit

Liberales Institut
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Zahlreiche Jubiläen bieten Anlass zur Freiheitsfeier 2009

Das Liberale Institut blickt auf 30 Jahre erfolgreicher Tätigkeit im Dienste der Freiheit zurück.

Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall beging das Liberale Institut auch 2009 seine traditionelle Freiheitsfeier. Wie

Pierre Bessard

, Direktor des Liberalen Instituts, einführend erläuterte, boten dieses Jahr darüber hinaus jedoch zahlreiche weitere Jubiläen Anlass zu einem Festakt: So könne das Liberale Institut auf 30 Jahre erfolgreicher Tätigkeit im Dienste der Freiheit zurückblicken. Die bleibende Stärke der liberalen Idee würde auch dadurch dokumentiert, dass ein grundlegendes Werk der Freiheit wie Adam Smiths «Die Theorie der ethischen Gefühle» bereits sein 250-jähriges Jubiläum feiere, John Stuart Mills berühmter Essay «Über die Freiheit» könne ebenfalls auf 150 Jahre Wirkungsgeschichte zurückblicken.

Ulrike Ackermann

, Professorin für Politische Wissenschaften mit dem Schwerpunkt Freiheitsforschung an der SRH Hochschule in Heidelberg, blickte in ihrem Hauptreferat angesichts dieser reichhaltigen Tradition auf die Entwicklung der liberalen Philosophie in der westlichen Zivilisation zurück. Dabei könnten Meilensteine in der griechischen Philosophie ebenso wie in der römischen Rechtslehre als bedeutende Grundlagen der westlichen Kultur der Freiheit identifiziert werden. Wesentliche Durchbrüche in der Etablierung unantastbarer Rechte für alle Individuen — und damit den Liberalismus — wären aber vor allem mit der Renaissance sowie der Aufklärung erzielt worden. In einem fortlaufenden Prozess der Modernisierung entwickelte sich so ein zivilisatorischer Grundkonsens, der von der Freiheit des Individuums ausginge und diese vor den Begehrlichkeiten der Massen und Kollektive schütze.

Ackermann beschrieb jedoch auch, dass auf diesem liberalen Weg in die Moderne immer wieder Rückschläge verzeichnet werden mussten. Ein fehlgeleiteter Rationalismus mündete etwa im Kontroll- und Planbarkeitswahn der totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts. Auch der Westen war somit nicht gefeit vor philosophischen Irrlehren, welche das Individuum dem Kollektiv unterordneten und sie so ihrer fundamentalen Rechte beraubten. Der Zusammenbruch des Kommunismus biete daher besonders Anlass zur Freude, da mit ihm zahllose Menschen endlich die Möglichkeit erhielten, ebenfalls den liberalen Pfad zu Freiheit, Fortschritt und Wohlstand zu beschreiten. Ackermann machte deutlich, dass der Mensch nicht nur von Rationalität getrieben sei — Affekte, Wünsche, Ängste und Bedürfnisse führten dazu, dass die Überlegenheit des Liberalismus immer wieder in Frage gestellt würde. Umgekehrt baue jedoch auch der Liberalismus auf einem «Eros der Freiheit» auf, einem intuitiven Freiheitsdrang, auf der menschlichen Neugierde und dem Wunsch nach Entwicklung und Veränderung. Freunde der Freiheit täten daher gut daran, auch in Zukunft die Vorzüge der Freiheit sowohl für Verstand als auch Herzen greifbar zu machen.

Im Anschluss würdigte Robert Nef in einem launigen Beitrag 30 Jahre Tätigkeit des Liberalen Instituts anhand verschiedener persönlicher Entwicklungen und Erfahrungen. Nef betonte dabei die Bedeutung der kreativen Dissidenz für die Freiheit, also den produktiven Ausbruch aus Konventionen und eingefahrenen Denkmustern. Der Liberalismus entfalte so auch ein spielerisches Element und erfordere nicht zuletzt einen gesunden Sinn für Humor. Liberale hätten die Sache der Freiheit immer wieder von Neuem zu verteidigen und verbreiten, nur selten befänden sie sich dabei in einer Position der Stärke. Institutionen wie das Liberale Institut böten eine wichtige Grundlage für das stets neue Entdecken und Erlernen der vielseitigen liberalen Philosophie. Insbesondere auch die Verantwortung für die jungen Generationen würde sich dabei paaren mit einer beinahe kindlichen Offenheit und Begeisterungsfähigkeit für die Chancen und Möglichkeiten einer freiheitlichen Ordnung. Pierre Bessard bedankte sich in diesem Zusammenhang ausdrücklich für das nachhaltige Engagement Nefs für die Sache der Freiheit und die so ermöglichten Erneuerung und Erweiterung des Liberalen Instituts.

Zum Abschluss der Freiheitsfeier überreichte Prof. Christoph Frei die Preise des LI-Essaywettbewerbs in Kooperation mit NZZ campus an seine drei Gewinner. Der Wettbewerb hatte zu einer Auseinandersetzung mit einem Zitat Benjamin Constants über die Bedeutung der Unsicherheit für das Wesen des Menschen eingeladen. Die drei Preisträger, Daniel Jung, David Ludwig und Emanuel Schädler, gaben jeweils einen kurzen Einblick in die Argumentation ihrer Beiträge. Dabei wurde die Unsicherheit als ein wesentliches, ja notwendiges Element für die Entwicklung, die Neugierde, die Offenheit und auch Freiheit der Menschen betont. Der Versuch, sich der Unsicherheit zu entledigen, könne einerseits den Menschen wichtiger Merkmale, wie der Kreativität und Phantasie, berauben. Im Rahmen der Politik würde er häufig auch zur Vorspiegelung einer falschen, scheinbaren Sicherheit in kollektiven Grosssystemen führen. Frei stellte abschliessend fest, dass die durch den Wettbewerb entdeckten jungen Talente zeigten, wie wichtig es sei, die Begeisterung für die Freiheit in jeder Generation von Neuem zu entfachen.

«Die individuelle Freiheit als Herzstück der westlichen Zivilisation»
Vortrag von Prof. Dr. Ulrike Ackermann

20. November 2009