Bedrohung der Stromversorgung

Silvio Borner und Bernd Schipps

    LI-BRIEFING. Die Energiestrategie 2050 ist ein Paket von Illusionen über künftige Entwicklungen.

    Eine funktionierende Stromversorgung ist für die Volkswirtschaft elementar. Stromangebot und -nachfrage müssen sich dabei möglichst genau entsprechen. In der Schweiz funktionierte die Stromversorgung bislang auch bei Nachfragespitzen praktisch einwandfrei — hauptsächlich dank der Unterstützung von Speicherseen und Kernkraftwerken.

    Mit der Energiestrategie 2050 (ES 2050) beabsichtigt der Bundesrat einen grundlegenden Umbau des bisherigen Erfolgsmodells. Er strebt eine vermehrte Deckung des künftigen Strombedarfs mit erneuerbaren Energieträgern an, obwohl diese punkto Zuverlässigkeit nicht mit den bisherigen Energieträgern mithalten können. Auch rechnet der Bundesrat mit einem Rückgang im Energiebedarf pro Kopf. Insbesondere die zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit unvermeidliche Automatisierung und Digitalisierung der Produktionsprozesse in der Industrie, im Gewerbe und im Dienstleistungssektor wird jedoch nicht zu einer geringeren, sondern eher zu einer steigenden Stromnachfrage führen. Unterdrückt der Staat diese Nachfrage, ist mit Abwanderung von Arbeitsplätzen und Kapital zu rechnen.

    Die ES 2050 wird zu einer Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit führen, solange es keine technische und wirtschaftliche Lösung für den saisonalen Ausgleich zwischen Stromproduktion und Stromnachfrage gibt. Wenn stabile Stromproduzenten (Wasser- und Kernkraftwerke) vom Netz genommen werden, nimmt das Risiko von Stromunterbrüchen zu. Die Abhängigkeit von (nicht garantierten) Stromimporten wird dann sukzessive zunehmen und die Strompreise werden unausweichlich steigen, selbst wenn es gelingen sollte, neue Speichermöglichkeiten und -techniken zu finden und «Backup»-Kraftwerke (z.B. Gaskraftwerke) zu bauen. Zumindest sollten deshalb alle inländischen KKW unterdessen weiter Strom produzieren können, solange dies aufgrund des laufenden Unterhalts auch ökonomisch vertretbar ist.

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    (24 Seiten, PDF)

    Oktober 2018

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