Index für wirtschaftliche Freiheit 2018

Das pro-marktwirtschaftliche Denken befindet sich weltweit im Niedergang, was die allgemeine Lebensqualität bedroht. Auch im Jahr 2018 verteidigt Hong Kong die Spitzenposition als die weltweit wirtschaftlich freieste Gebietskörperschaft. Die Schweiz behauptet ihre Position als viertfreistes Land der Welt.

Die Schweiz bleibt auch 2018 das Land mit europaweit der höchsten und weltweit der viertgrössten wirtschaftlichen Freiheit. Das zeigt der Jahresbericht 2018 des Index für wirtschaftliche Freiheit, der in der Schweiz vom Liberalen Institut mitherausgegeben wird.

Einmal mehr erweist sich Hong Kong als das Land mit der grössten wirtschaftlichen Freiheit, gefolgt von Singapur, Neuseeland und der Schweiz. Die Schlusslichter des diesjährigen Rankings bilden Venezuela, Libyen und Argentinien. Diktaturen wie Kuba und Nordkorea werden wegen fehlender Daten im Ranking nicht aufgeführt.

Der Bericht bestätigt den engen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Freiheit und Wohlfahrtsentwicklung. Die freiesten 25% aller Länder weisen ein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 40.376 Dollar auf, die unfreiesten 25% dagegen kamen nur auf 5.649 Dollar. Die ärmsten 10% der Bevölkerung in den freiesten Ländern erwirtschafteten ein Pro-Kopf-Einkommen von 10.660 Dollar, während die ärmsten 10% der Bevölkerung in den unfreisten Ländern lediglich 1.345 Dollar verdienten. Die Lebenserwartung liegt im obersten Viertel bei 79,5 Jahren, im untersten Viertel bei 60,4 Jahren.

Besorgniserregend: Öffentliche Unterstützung für eine liberale Ordnung lässt nach

Der diesjährige Bericht widmet sich zudem der weltweiten Entwicklung des ökonomischen Denkens zwischen 1990 und 2014, das mit dem Free Market Mentality Index (FMMI) gemessen wurde. Während der gemessenen Periode konnte ein besorgniserregender Wandel festgestellt werden: Trotz ihrer Verdienste und dem enormen Beitrag, der die globale Marktwirtschaft in dieser Zeit zur Reduktion der weltweiten Armut geleistet hat, liegen Staatsinterventionen und Markteingriffe im öffentlichen Meinungsklima wieder wesentlich höher im Kurs als noch 1990. Verstärkt setzte sich die Ansicht durch, dass Wettbewerb schädlich sei und dem Staat eine grössere Rolle zukommen müsse. Auch glaubt man weniger daran, dass der Wohlstand für alle wachsen könne, sondern dass man Reichtum nur auf Kosten anderer erwerben könne, obwohl Theorie und Praxis diese Ansichten klar widerlegen.

In Argentinien war der Niedergang marktwirtschaftlichen Denkens besonders stark: Seit den 1990er Jahren fiel der FMMI dort um 39 Punkte (während er in der Schweiz um 18 Punkte zurückging, allerdings von einem viel höheren Niveau), was mit einer dramatischen Reduktion der Werte im Index wirtschaftlicher Freiheit zwischen den Jahren 2000 und 2015 um 33% einherging. Die Politik verstaatlichte in dieser Zeit Industrien und das Altersvorsorgesystem, führte Import-Restriktionen, Export-Steuern und Geldwechsel-Kontrollen ein und blähte die Verwaltung enorm auf. Die Entwicklungen erinnern stark an jene Venezuelas, einem Land, in dem die Bevölkerung heute an bitterer Armut leidet, obwohl es früher zu den wohlhabendsten Nationen Südamerikas gehörte. Diese Entwicklung zeigt exemplarisch, dass der wirtschaftliche Wohlstand vorerst von den Attitüden und Überzeugungen abhängt, die später in die politische Praxis münden.

Die Schweiz im internationalen Vergleich

Die Schweiz kommt im aktuellen Rating auf die folgenden Werte (auf einer Skala von 1 bis 10):

  • Umfang der Staatstätigkeit: Verschlechterung von 7,7 auf 7,4
  • Rechtsstaatlichkeit und Schutz des Privateigentums: leichte Verschlechterung von 8,6 auf 8,5
  • Zugang zu stabilem Geld: geringfügige Verbesserung von 9,8 auf 9,9
  • Freiheit zu weltweitem Handel: leichte Verbesserung auf 7,6 (Vorjahr: 7,5)
  • Regulierungsdichte: geringfügige Verschlechterung auf 8,5 (Vorjahr: 8,6)

Die Schweiz kann ihre Stellung hauptsächlich aufgrund der Schuldenbremse und ihrer offensiven Aussenhandelspolitik behaupten. Trotz des relativ guten Abschneidens im Verhältnis zu anderen Ländern darf jedoch kein falscher Eindruck entstehen: Der Staatsumfang ist auch in der Schweiz entschieden zu gross. Würde die Staatstätigkeit etwa in den Bereichen Altersvorsorge, Gesundheitswesen und Landwirtschaft reduziert, könnten enorme Wachstumspotenziale freigesetzt und der Lebensstandard weiter verbessert werden. Insbesondere die Einführung einer Schuldenbremse bei den Sozialversicherungen sollte angesichts der aktuellen Fehlanreize prioritär behandelt werden.

Unter den 10 wirtschaftlich freiesten Ländern der Welt finden sich neben Hong Kong (9,0 Punkte), Singapur (8,8), Neuseeland (8,5) und der Schweiz (8,4) auch Irland (8,1), die USA (8,0), Georgien (8,0), Mauritius (8,0), Grossbritannien (8,0), Australien (8,0) und Kanada (8,0).

Die USA haben damit wieder den Sprung in die Top 10 geschafft. Unter den weiteren grossen Volkswirtschaften belegen Deutschland Rang 20, Südkorea Rang 35, Japan Rang 41, Italien Rang 54 und Frankreich Rang 57. Mexiko liegt auf Rang 82 und damit vor Russland (Rang 87), Indien (Rang 96), China (Rang 108) und Brasilien (Rang 144). Dies zeigt das erhebliche Aufholpotential, das die so genannten BRIC-Staaten noch haben.

Download Bericht:
Economic Freedom of the World
(232 Seiten, PDF)

Oktober 2018