Liberales Institut im Dienst der Freiheit

Freiheit ist auch bei schlechtem Wetter ein Thema

Die Schweiz ist auf der Liste der freiesten Länder weiterhin auf Platz vier. Die Frage nach den Wirkungen der Krise ist offen.

Die Schweiz zählt nach wie vor zu den freiesten Ländern der Welt, und mit der Finanz- und Wirtschaftskrise ergibt sich gar die Chance, diese Stellung noch zu stärken. Die jüngste Ausgabe des von einem ganzen Netz von Instituten erarbeiteten Berichts «Economic Freedom of the World 2009» zeigt eine ähnliche Rangliste wie der Vorjahresbericht, jedenfalls in Bezug auf die Verhältnisse an der Spitze. Die Länder mit den freiheitlichsten Wirtschaftsordnungen sind wie im Vorjahr Hongkong, Singapur, Neuseeland und die Schweiz. Diese Reihenfolge ist bereits seit mehreren Jahren beobachtbar und stabil. Auf dem fünften Platz, direkt hinter der Schweiz, liegt diesmal Chile, das drei Jahre zuvor noch auf dem 20. Platz gelegen hatte. Auf Platz sechs kommen die USA, die im vergangenen Jahr zwei Plätze gutgemacht haben, früher allerdings regelmässig in den Spitzenrängen gelegen hatten. Diese Länder erreichen auf einer Skala von 0 bis 10 Werte zwischen 8 und 9, während das Land mit den desolatesten Verhältnissen, Simbabwe, auf 2,9 kommt.

Starke Schweizer Geldordnung

Spitzenwerte erreichte die Schweiz wiederum in der Disziplin Geldsystem sowie Rechtssystem und Eigentumsrechte, etwas matter waren die Noten erneut bei Staatsgrösse, Regulierung und vor allem Freihandel; laut Studie ist dieses Muster typisch für reiche Industrieländer. Die Autoren des Berichts haben bei ihrer Beurteilung 42 Kriterien berücksichtigt, die — wie in früheren Durchläufen — inhaltlich in 5 Gruppen gegliedert werden. Diese Hauptthemen betreffen: Grösse des Staates, Rechtssystem und Schutz der Eigentumsrechte, Versorgung mit gesundem Geld, Möglichkeiten zu freiem internationalem Handel sowie Regulierung von Kreditvergabe, Arbeitsmarkt und Unternehmenswelt. Das Netz von Fachleuten, die unter der Koordination des kanadischen Fraser-Instituts die einzelnen Teile zur Studie beigesteuert haben, umfasst unabhängige Institute und Think-Tanks in 75 Ländern; in der Schweiz ist das Liberale Institut im Projekt vertreten, und Prof. Jan-Egbert Sturm (KOF ETH Zürich) zählt zum Autorenteam, das unter anderem der Frage nachging, wie die Finanzkrise die wirtschaftliche Freiheit beeinflussen dürfte.

Die Befunde sind allerdings insofern vorsichtig zu interpretieren, als die Daten der gut 140 Länder erst bis 2007 aufgearbeitet worden sind und jüngste Veränderungen somit in der Rangliste noch nicht zum Ausdruck kommen. Aus dieser Sicht kann auch die Frage nach den Folgen der jüngsten Krise nur ansatzweise bzw. indirekt beantwortet werden, da ein derart starker Einbruch in der «Geschichte» der Daten nicht enthalten ist und als Annäherung die Auswirkungen früherer, schwächerer Finanzkrisen in bestimmten Ländern analysiert wurden. Näher betrachtet wurden etwa die Finanzkrisen in Norwegen und Schweden in den neunziger Jahren. In beiden Ländern hat sich der Index der wirtschaftlichen Freiheit zwischen 1985 und 2005 verbessert, also auch in der durch die Krisen getroffenen Periode. Norwegen wie Schweden legten vom Wert 6,2 auf 7,4 zu. Die Autoren schliessen daraus, dass es möglich sei, Massnahmen gegen schwere Krisen zu ergreifen, ohne vom Weg abzukommen.

Es gebe auch Anzeichen, dass Krisen auf lange Frist die Freiheit eher ausweiten könnten. Mit Blick auf die kurze Frist wird betont, dass Staatsaktionen durchaus zur Erholung des Finanzsektors beitragen könnten, dass aber gefährliche Interventionen die Krise verlängern dürften und — vor allem wenn man falsche Lehren daraus ziehe — zu Szenarien à la Krise der 1930er Jahre führen könnten. Kurzfristig seien Einschränkungen der wirtschaftlichen Freiheit durch die Krise und durch eine grosse «Output Gap» nach Befunden der empirischen Analysen möglich. Vor diesem Hintergrund wird daran erinnert, dass neben dem Freiheitsrahmen auch die Wechselwirkungen zwischen Rahmenbedingungen und wirtschaftlichem Erfolg bzw. gesellschaftlichem oder politischem Erfolg in den jeweiligen Ländern zu beachten seien.

Korrelation mit Erfolg

Die obige Grafik zeigt, dass die Länder, die zum freiesten Viertel zählen, ein erheblich höheres Pro-Kopf-Einkommen aufweisen als die weniger freien Staaten. Ähnliches gilt für das Wirtschaftswachstum oder die Attraktivität für ausländische Investoren. Auch der Umwelt scheint wirtschaftliche Freiheit gut zu tun. Es wird betont, dass diese Zusammenhänge nicht als Kausalbeziehungen, sondern als Beobachtungen zu sehen seien. Letztlich wirken die Grafiken — fast ein Dutzend — aber doch als starke Indizien für den Wert und die langfristige Wirkung freiheitlicher Regeln.

Beat Gygi, Neue Zürcher Zeitung

September 15, 2009