Ist Bildung tatsächlich ein öffentliches Gut?

Christian Hoffmann

    LI-PAPER. Kaum jemand zweifelt heute noch an der ökonomischen Rechtfertigung der staatlichen Bildungsfinanzierung. Zurecht?

    Die starke Rolle des Staates im Bildungssektor wird oftmals mit dem Argument gerechtfertigt, bei der Bildung handle es sich um ein öffentliches Gut. Doch dieses Argument hält einer genaueren Überprüfung nicht stand. Ein «öffentliches Gut» ist in der ökonomischen Theorie klar definiert, es weist eine Nichtrivalität und Nichtausschliessbarkeit im Konsum auf. Und selbstverständlich lassen sich Menschen von einem Studium ausschliessen — genau diesem Zweck dient der Numerus clausus. Der Platz in den Vorlesungssälen und die Zeit der Dozierenden ist sehr wohl beschränkt.

    Wenn schon kein öffentliches Gut, so das Gegenargument, dann ist aber Bildung doch im öffentlichen Interesse, denn es weist positive Externalitäten auf. Was dabei nicht berücksichtigt wird: Praktisch jedes Gut hat auch negative Externalitäten, die gegen die positiven aufzuwiegen sind. Auch sind positive Externalitäten eben Externalitäten, also nicht internalisiert, weil sie schwierig zu internalisieren sind. Das Problem der Mobilität kommt noch hinzu: Was, wenn gut Gebildete den Kanton oder das Land verlassen? Ein weiterer Grund, positive Externalität nicht für eine Rechtfertigung öffentlicher Förderung zu halten, sind die verzerrenden Effekte eben dieser Förderung: Beispielsweise widmen sich immer mehr Leute einem Hochschulstudium, anstatt einer Arbeit nachzugehen, ein Unternehmen zu gründen und Wohlstand zu schaffen. So paradox das auch klingt: Die geförderte Bildungsinflation könnte auch ärmer machen.

    Es ist möglich, dass die Bildungspolitik durch seine Subventionseffekte, Inflation, Präferenzverschiebung, mangelnde oder falsche Internalisierung externer Effekte etc. unter dem Strich mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Letztlich krankt das Bildungssystem an denselben Mängeln aller Planwirtschaften.

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    April 2019

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