Swiss Banking — wie weiter?

Ein Mittagsgespräch mit Claude Baumann und Werner E. Rutsch zur Zukunft des Finanzplatzes Schweiz.

Am 8. April haben Claude Baumann, Gründer des Nachrichtendienstes finews.ch und Wirtschaftsjournalist bei der «Weltwoche», und Werner E. Rutsch, Managing Director bei Clariden Leu, bei einem Mittagsgespräch des Liberalen Instituts in Zusammenarbeit mit NZZ Libro zum Thema «Swiss Banking - wie weiter?» ihr gleichnamiges Buch vorgestellt und Szenarien zur aktuellen und künftigen Lage des Finanzplatzes Schweiz präsentiert.

In einem historischen Rückblick stellte Rutsch fest, dass lange Zeit Ideale wie Sicherheit, Vertrauen und Seriosität das Bild des Swiss Banking geprägt haben. Das führte dazu, dass schon etwa zur Zeit der Roten Brigaden in Italien oder der RAF in Deutschland ein starker Kapitalfluss in die Schweiz stattfand. Zugleich seien die schweizerischen Banken aber schon lange kein Hort mehr für Geldwäscherei, schliesslich gehören die Regulierungen gegen Geldwäscherei in der Schweiz weltweit zu den strengsten. Das Bankkundengeheimnis sei demnach überhaupt nicht der einzige Vorteil des Swiss Banking. Wichtige Erfolgsfaktoren seien etwa die politische Stabilität in der Schweiz, die hochqualifizierten lokalen Arbeitskräfte, die effizienten Kapitalmärkte sowie eine stringente und effektive Aufsicht.

Trotzdem habe das Ansehen des Swiss Banking in jüngster Vergangenheit gelitten. Um das gute Ansehen wiederherzustellen, schlug Rutsch fünf Lösungsansätze vor: Erstens brauche das Swiss Banking eine klare Strategie, die mehr als nur eine kurzfristige Gewinnmaximierung berücksichtige; zweitens soll vermehrt wieder auf Qualität und die schweizerischen Tugenden gesetzt werden; drittens sollen Bankiers als starke Persönlichkeiten wieder eine Vorbildsfunktion übernehmen; viertens soll an den Rahmenbedingungen gearbeitet werden; und fünftens schliesslich müsse das Swiss Banking besser vermarktet werden.

Baumann wandte anschliessend die von ihm und Rutsch in ihrem Buch entwickelten Thesen auf die aktuelle Lage an. Dabei warnte er, dass aufgrund der aktuellen Finanzkrise, den Ereignissen rund um die UBS und der Angriffe auf das schweizerische Bankgeheimnis unter anderem das Wirtschaftswachstum, viele Arbeitsplätze und die Standortqualität auf dem Spiel stünden. Es gelte also, das Swiss Banking vor der Finanzkrise, vor einem möglichen Untergang der UBS und vor einer zunehmenden Erodierung des Bankgeheimnisses zu retten. Ob dies gelingt, hänge unter anderem davon ab, wie lange die Finanzkrise noch anhalte, wie sich das neue Management der UBS verhalte und wie sich der Rechtsstreit mit den USA und anderen Ländern um die UBS und das Bankgeheimnis entwickle.

Hinsichtlich der Finanzkrise und der Effektivität der dagegen ergriffenen Massnahmen und auch hinsichtlich der UBS tendiert Baumann eher zu Pessimismus. Trotzdem ist er aber optimistisch, was die allgemeine Entwicklung des Swiss Banking betrifft. Die aktuelle Krise würde das Bewusstsein dafür steigern, wie wichtig der schweizerische Finanzplatz ist. Ferner würden neue Akteure die Schwächen der UBS kompensieren.

«Swiss Banking - wie weiter?»
Präsentation von Claude Baumann
Präsentation von Dr. Werner E. Rutsch

9. April 2009