Das Potenzial der digitalen Währungen

Am 26. März fanden fast hundert Personen den Weg zum Liberalen Gesprächskreis an der Universität Zürich.

In einem ersten Teil führte Bernhard Müller Hug, Vorstandsmitglied der Bitcoin Association Switzerland, in die technologische Seite von Kryptowährungen, insbesondere von Bitcoin, ein. Er brach die sehr komplexe Materie über die Funktionsweise von Kryptowährungen auf einfache Aussagen runter. Mittels Analogien (z.B. der Vergleich der «Blockchain» mit einem öffentlichen Register) erklärte er den Teilnehmenden, wie die Blöcke generiert werden, wie das Register gegen Angriffe geschützt wird, wie die Geldschöpfer («Miner») gemeinsam an einem «Teppich weben» und wie das uralte Kommunikationsproblem der «Byzantinischen Generäle» technisch gelöst wurde. Die Dezentralität der Währung sei das bisher beispiellose Charakteristikum, so der Referent. Geschlossen hat Bernhard Müller Hug mit einem Ausblick und dem Hinweis auf die rasch wachsende Zahl möglicher Zahlungsorte für Bitcoin in der Schweiz.

Niklas Nikolajsen, Unternehmer und CEO der Bitcoin Suisse AG, führte in die politischen und philosophischen Aspekte von Bitcoin ein. Er zeigte an den Konsequenzen des heutigen Zentralbankenmonopols auf, weshalb es für echte Geldwertstabilität dringend der Konkurrenz alternativer Währungen bedarf. Bitcoin, das den Eigenschaften von Gold nachgebildet worden sei, könne eine «realistische Alternative» darstellen, so der Referent. Er betonte, dass es für eine freie Gesellschaft unerlässlich sei, dass das Individuum über das in seinem Alltag verwendete Geld bestimmen könne. Er machte klar, dass eine Mehrheit der Weltbevölkerung heute völlig «unbanked» ist. Bitcoin biete eine kostengünstige Option für diese Menschen. Für den Westen sieht der Referent heute vor allem das Geschäftsfeld der «micro payments» (z.B. zur Bezahlung von einzelnen Online-Publikationen). Mittelfristig erkennt Niklas Nikolajsen auch eine gesellschaftliche Disruptivität: Die Bankenlandschaft werde sich gleich wie Treuhandleistungen verändern müssen. Privatheit im Finanzbereich sei dank Kryptowährungen wieder möglich, denn der Zugriff des Staates auf das Geld der Bürger werde erschwert. Auch geld- und fiskalpolitisch seien schliesslich Veränderungen mit tiefgehenden Rückkopplungen zu erwarten.

Die Q&A-Session bestätigte das grosse Interesse der Teilnehmenden an der disruptiven Technologie hinter Kryptowährungen. Die Fragen bezogen sich sowohl auf die technischen (z.B. Energieverbrauch, Sicherheit) als auch auf die politischen Aspekte (z.B. Fragen der staatlichen Regulierung).

31. März 2015