Liberales Institut im Dienst der Freiheit

Buchpremiere von Liberale Vernunft, Soziale Verwirrung

Anthony de Jasay stellte sein neuestes Werk vor und enthüllte dabei einige «soziale» Trugschlüsse.

Anthony de Jasay

Anthony de Jasay ist einer der bedeutendsten Sozialphilosophen der Gegenwart. Der in Frankreich sesshafte Autor stellte auf Einladung des Liberalen Instituts und der European Center for Austrian Economics Foundation (ECAEF) sein jüngstes Werk der Öffentlichkeit am 27. Januar in Zürich vor. Liberale Vernunft, Soziale Verwirrung lautet der Titel dieser einmaligen Sammlung deutschsprachiger Beiträge, herausgegeben durch die ECAEF. Anlässlich der Buchvorstellung bemühte sich Jasay, dem zahlreich erschienenen Publikum diesen auf den ersten Blick provokativen Titel zu erläutern.

Jasay stellte die These auf, dass es der politischen Philosophie des Liberalismus an einem wirksamen Immunsystem mangele. Keine andere Ideologie sei derart anfällig für Verfremdungen und Verzerrung durch sachfremde Ideen oder Elemente, die jedoch in der öffentlichen Diskussion schnell als ein Wesensmerkmal des Liberalismus betrachtet würden. Dieser Umstand sei einerseits darauf zurückzuführen, dass sich der Liberalismus durch eine grosse Toleranz und Offenheit für Neues, Fremdes auszeichne. Andererseits beginge der Liberalismus jedoch auch den Fehler, nicht-liberalen Ideologien auf einer unangemessenen Diskurs-Ebene zu begegnen. Die politische Auseinandersetzung verläuft demnach auf zwei Ebenen: einer emotional-intuitiven sowie einer logisch-rationalen. Auf der emotional-intuitiven Ebene verfügen nach Jasay jedoch die nicht-liberalen oder sozialistischen Ideologien über einen uneinholbaren Vorsprung — mitreissenden Schlagworten wie «Gleichheit», «Solidarität» oder «Gemeinschaft» habe der Liberalismus hier nur die «Freiheit» entgegen zu setzen.

Jasay empfiehlt dem Liberalismus daher, um einen nachhaltigen Erfolg auf der logisch-rationalen Ebene zu ringen. Als Beispiele der Durchschlagskraft einer «kühlen Rationalität» nannte er liberale Entgegnungen auf drei populäre «Trugschlüsse» - jene der «sozialen Marktwirtschaft», der «Sozialversicherungen» und der «sozialen Gerechtigkeit». In wenigen Worten zeigte Jasay auf, dass eine auf Interventionen beruhende Wirtschaftsordnung nicht in der Lage sei, die Ergebnisse eines freien Marktes zu verbessern, da Redistributionen stets Auswirkungen auf die Produktionsstruktur entfalten würden. Ebenso beschrieb der Autor, dass verpflichtende Sozialversicherungen — sofern sie nicht genau der Struktur freiwilliger Versicherungen entsprächen — unweigerlich zu einer dauerhaften Erhöhung der Arbeitslosigkeit führen müssten. Zuletzt stellte Jasay fest, dass das populäre Mass der «sozialen Gerechtigkeit» an einem Mangel an widerspruchsfreien Kriterien kranke. Das Streben nach einer sozialen Gerechtigkeit müsse daher stets zu einer endlosen Aneinanderreihung korrigierender Interventionen führen.

«Combating “Social” Fallacies»
Remarks by Anthony de Jasay

January 28, 2009