Die Ethik des freien Unternehmertums

Das diesjährige LI-Symposium ging auf die «Schuld», Geld zu verdienen, und die Verzerrungen der Politik ein.

Was sind die moralischen Grundlagen des Unternehmertums? Unternehmertum ist eng mit kreativer und produktiver Arbeit, mit der menschlichen Schaffenskraft verbunden. Dennoch wird die Bedeutung der Unternehmerfunktion in den Sozialwissenschaften weitgehend unterschätzt. In seiner Einführung der Konferenz des LI-Symposiums 2014 am 19. Mai hielt Pierre Bessard, Direktor des Liberalen Instituts, fest, das Unternehmertum sei tatsächlich von zentraler Bedeutung, wenn man die Entfaltung der Märkte und damit der Wahlfreiheit von Produzenten und Konsumenten verstehen wolle, aber auch die ständige Verbesserung der Lebensstandards und den Fortschritt der Zivilisation. Das Verständnis des unternehmerischen Prozesses sei aber mehr als ein wissenschaftliches Anliegen. Es habe sehr konkrete Auswirkungen auf das politische Umfeld sowie kulturelle Vorstellungen und Wertungen — etwa individueller Handlungsmotive und Freiheiten. Gerade in wohlhabenden Ländern, wo der Lebensunterhalt heute weitgehend gesichert sei, liege der Fokus der öffentlichen Debatte auf moralischen und kulturellen Fragen. Im Westen stünden dabei Werte der Gleichheit und Umverteilung im Mittelpunkt, nicht die Dynamik einer freien und unternehmerischen Gesellschaft.

Die relativ schwache Anerkennung des Unternehmertums lasse sich auch darin beobachten, dass Geschäftsleute meist nicht für ihre kommerziellen Errungenschaften, sondern für ihre Wohltätigkeitsaktivitäten gefeiert würden. Dabei bestünde unternehmerischer Erfolg aus Win-Win-Transaktionen, meinte Yaron Brook, Direktor des Ayn Rand Instituts (USA), in seiner Rede. Geldverdienen würde aber bestenfalls moralisch neutral, wenn nicht als unmoralisch bewertet. Erst das Ausgeben von Geld für Zwecke der Wohltätigkeit sei moralisch anerkennungswürdig. Dann sei die Rede davon, dass etwas «zurückgegeben» werde, als ob zuvor jemandem etwas genommen worden wäre. Dabei sei genau das in einer freiwilligen Markttransaktion nicht der Fall. Hier profitiere der Unternehmer von seinen Ideen und deren Umsetzung gerade weil er auch für Andere einen Mehrwert schaffe. Nur durch die Schaffung von Mehrwert, durch Kreativität, Produktivität und harte Arbeit könne ein Unternehmer prosperieren. Leider werde das Selbstinteresse, der Wunsch nach Prosperität, oft mit Betrug, Lüge und Stehlen in Verbindung gebracht. Auch Regierungshandeln beruhe häufig auf dieser Fehldiagnose. Aufgeklärtes Selbstinteresse bedinge jedoch, im Austausch mit Anderen vernünftig zu handeln, nicht selbstzerstörerisch. Das unternehmerische, kommerzielle Handeln erlaube es so, die materiellen Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen und schaffe Wohlfahrt. Es wäre darum wünschenswert, wenn die öffentliche Debatte um Ethik und Moral das vernünftige Eigeninteresse anerkenne, nicht erst das Erbringen vermeintlicher Opfergaben.

Als innovativer Unternehmer ging Lars Seier Christensen, Gründer und CEO der Saxo Bank, einer internationalen Online-Investment-Bank, auf die Rahmenbedingungen des Unternehmertums in Europa ein. Christensen erzählte, wie er seine Laufbahn mit einer Strandbar in Spanien begann — wovon viele ihr ganzes Leben träumten. Mit 22 aber sei dieser Wunsch verflogen und er habe sich herausforderndere Ziele gesetzt. Christensen skizzierte eine optimistische, «selbstgefällige» Sichtweise, wonach sich die Bedingungen des Unternehmertums verbesserten. Vor allem die technologische Entwicklung habe es erleichtert, Innovatives umzusetzen. Gleichzeitig spielten jedoch die Regierungen eine bedeutende, verzerrende Rolle — sei es durch die Rettung staatlich genehmer Grossunternehmen oder die Überbesteuerung von Gewinnen und Ersparnissen. Unternehmer, die mit ehrgeizigen Visionen die Welt verändern, seien in Europa seltener zu finden, als beispielsweise in den USA. Wenige jüngere Unternehmen erreichten auch eine vergleichbare Grösse. Kleine und mittlere Betriebe seien zwar wichtig für Innovation und die Schaffung von Arbeitsplätzen, es gebe aber in Europa nur wenige «big hits». Diesen Unterschied führte Christensen auf eine europäische Risikoaversion zurück, die sich auch in gesetzlichen Rahmenbedingungen widerspiegle - etwa in der Behandlung von Aktienoptionen. Um Raum für Unternehmertum in Europa zu schaffen, seien noch viele Reformen des öffentlichen Sektors notwendig, die weitgehend bekannt seien — wie das Zurückfahren staatlicher Ausgaben, Privatisierungen, Steuersatzsenkungen und Arbeitsmarktliberalisierungen. Es müsse aber auch viel mehr bekannt gemacht werden, dass es grossartig sei, ein Geschäft zu besitzen. Wenn die Politik hier nicht im Weg stünde, sei schon viel gewonnen.

Bericht des Seminars:
Die unverzichtbare Rolle des Unternehmers

20. Mai 2014