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Die Moral des Marktes

Bernhard Ruetz

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Die Freiheit und die Moral als Regulativ des Marktes

Die Befürworter des Wohlfahrtsstaats hüllen ihre Kritik an wirtschaftlichem Wettbewerb und Freihandel gerne in den Mantel der Moral. „Markt ja, aber nur unter bestimmten Vorausset­­zungen“, so lautet die geläufige Argumentation. Die Wirtschaft habe eine öffentliche Verantwortung. Der Staat müsse dafür sorgen, dass diese auch wahrgenommen und der Gemeinsinn gestärkt werde. Wirkliche Freiheit und politische Mitbestimmung seien nur dann zu erreichen, wenn der Staat die materiellen und rechtlichen Voraussetzung dazu schaffe und den Markt durch Eingriffe in zivilisierte Bahnen lenke; ja diesen gleichsam zu einer moralischen Veranstaltung mache. Der Ruf nach dem staatlichen Gesetzgeber zur Beschränkung angeblich übersetzter Kaderlöhne ist dafür ein Beispiel.

Schutz vor dem Staat

Das grundsätzliche Problem der heutigen Liberalen liegt darin, auf welche Weise die auf Vereinbarungen und Verträgen basierende Zivilgesellschaft davor bewahrt werden kann, durch staatliche Bürokratisierung, Umverteilung und Vermassung in ihrer freiheitlichen Existenz gefährdet zu werden. Grosse Ökonomen wie Wilhelm Röpke und Friedrich August von Hayek haben sich intensiv mit der Frage befasst, wie sich die Selbstbestimmung stärken lässt, um nicht von der Mit- und schliesslich von der Fremdbestimmmung verdrängt zu werden.

Vor dem Erfahrungshintergrund des Nationalsozialismus und des Kommunismus suchten beide nach Wegen und Antworten, um solche politischen und sozialen Deformationen inskünftig zu verhindern. Röpke war überzeugt, dass die Marktwirtschaft ohne einen Fundus an Moral und Tradition nicht zu bestehen vermöge. Sie sei eine höchst fragile zivilisatorische Errungenschaft und beruhe auf Voraussetzungen geistig-moralischer und rechtlich institutioneller Natur, die sie weder zu schaffen noch zu garantieren vermöge. Röpke verwahrte sich deshalb nicht nur gegen die zynische Aussage von Keynes „In the long run we are all dead“, sondern bezweifelte auch die optimistisch-evolutionistische Aussage von Hayeks „In the long run we are all free“. In der Herausbildung einer uniformen Angestelltengesellschaft nach 1945 sah Röpke die teilweise Wiederbeschreitung des Irrwegs in den Kollektivismus, das Heraufziehen einer unheilvollen Allianz zwischen Staat und Wirtschaft mit wachsender staatlicher Bürokratie und Grosskonzernen.

Röpke oder Hayek?

Ob uns Röpke in der heutigen Zeit über das Verhältnis von Markt und Moral mehr zu sagen hat als Hayek, dies bleibt der persönlichen Interpretation überlassen. Als Nationalökonom und Theoretiker vermag Röpke gegenüber Hayek nicht ganz zu bestehen. Sein politisches und publizistisches Engagement hingegen macht ihn als Hüter und Kämpfer für die Freiheit und die Moral als Regulativ des Marktes in vieler Hinsicht überzeugender und lebensnaher.

Mai 2006

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