Liberales Institut im Dienst der Freiheit

Liberales Institut
Rennweg 42
8001 Zürich, Schweiz
Tel.: +41 (0)44 364 16 66
Fax: +41 (0)44 364 16 69

Freiheitsfeier 2013: «Die Ökonomie der Aufklärung»

Das Liberale Institut verleiht den Röpke-Preis für Zivilgesellschaft dem Ökonomen Charles B. Blankart.

Die traditionelle Freiheitsfeier des Liberalen Instituts stand im ablaufenden Jahr unter dem programmatischen Titel der ökonomischen Aufklärung. LI-Direktor Pierre Bessard eröffnete den feierlichen Jahresabschluss des Instituts mit einem Hinweis auf die grosse gesellschaftliche Bedeutung der Ökonomie. So mögen wirtschaftlichen Debatten bisweilen grau und trocken erscheinen — doch prägten vorherrschende ökonomische Lehren das Empfinden und die Forderungen der Menschen sowie die Entscheidungen der Politik. Ökonomische Irrtümer und -lehren hätten darum spürbare Auswirkungen auf die Freiheit und den Wohlstand der Bürger. Umso verdienstvoller sei es, dass zahlreiche liberale Vordenker — wie einst schon Wilhelm Röpke — unter hohem persönlichem Einsatz für die ökonomische Aufklärung ihrer Mitbürger stritten.

Rahim Taghizadegan, Leiter des Instituts für Wertewirtschaft in Wien, nahm im Anschluss das Wirken F. A. von Hayeks zum Ausgangspunkt für einige Überlegungen zur aufklärerischen Rolle der Ökonomie — und auch deren Grenzen. Taghizadegan stellte fest, dass der Nobelpreisträger Hayek selbst die öffentliche Wirkung einzelner Ökonomen sehr kritisch betrachtete. Allzu grosse Prominenz würde den betroffenen Ökonomen ebenso zu Kopf steigen, wie den Anhängern ihrer Lehren. So entstünden Modeströmungen die mit fragwürdigen Thesen verbunden sein könnten. Besonders geisselte Hayek den schon zu seinen Zeiten grassierenden Szientismus, also den Versuch, eine naturwissenschaftliche Methodologie auf den deutlich komplexeren Bereich der sozialen Interaktion zu übertragen. Wie Taghizadegan eindrücklich darlegte, sei die ökonomische Forschung immer mit der Herausforderung konfrontiert, eine grosse Anzahl an Variablen zu beobachten zu müssen, was die Ableitung einfacher Zusammenhänge oder gar Prognosen praktisch verunmögliche. Entsprechend weit verbreitet seien ökonomische Fehlprognosen. Hayek skizzierte darum das Bild einer spontanen Ordnung, welche nicht auf den Willen und die Planung einzelner Akteure zurückgeführt werden könne.

Pierre Bessard hob daraufhin die Leistungen und Verdienste des diesjährigen Empfängers des Röpke-Preises für Zivilgesellschaft hervor. Prof. Charles Blankart zeichne sich durch klare Worte und Analysen aus, und auch den Mut, dem Gestaltungsdrang der politischen Planer auch öffentlich entgegen zu treten. Blankart habe den öffentlichen Diskurs vor allem durch seine politökonomischen Analysen bereichert, welche unter anderem die Vorzüge des institutionellen Wettbewerbs deutlich aufzeigten. Blankart stünde damit in der Tradition Röpkes, dem insbesondere die institutionelle Vielfalt der Schweiz sehr am Herzen lag, welcher er gegen ein europäisches Grossmachtstreben verteidigte. Auch Blankart scheue sich heute nicht, Fehlentwicklungen der EU — etwa hin zu einem Hochsteuerkartell — mit deutlichen Worten zu kritisieren.

Der Preisträger stellte im Anschluss einige aktuelle Überlegungen zu den Grenzen der staatlichen Besteuerung vor. Blankart führte aus, dass Steuern stets mit erheblichen Kosten verbunden seien, die das tatsächlich erhobene Vermögen deutlich überstiegen. Steuern seien nämlich mit negativen Anreizen und Verdrängungseffekten verbunden sowie auch Ausweichbemühungen der Betroffenen. Dies sei vor allem dann der Fall, wenn mobile Faktoren wie Arbeit oder Kapital besteuert würden. Vor allem hier käme es zu so starken Ausweich- und Verdrängungseffekten, dass jede Steuer als ineffizient bezeichnet werden müsse. Letztlich seien nur Grund und Boden tatsächlich zuverlässig zu besteuern, da diese immobil seien und ein Ausweichen damit erschwert würde. Das heutige Steuersystem missachte diese Zusammenhänge und verkleistere sie durch eine Vielzahl von Steuern und Ausgleichszahlungen, die mit einer enormen Ineffizienz verbunden sei. Auf diese Weise verschlinge der Staat weit mehr Ressourcen als selbst für die Finanzierung der offiziellen Budgets notwendig sei.

Im Anschluss versammelte sich das zahlreich erschienene Publikum für anregende Gespräche in informeller Atmosphäre und liess die Freiheitsfeier in einem würdigen Rahmen ausklingen.

Weiterführender Link:
Röpke-Preis für Zivilgesellschaft


19. Dezember 2013