Heilung für das Gesundheitswesen

Die LI-Konferenz vom 19. September stellte weitere Weichen für die künftige Gestaltung des Gesundheitswesens.

Das Gesundheitswesen hält das Land weiterhin in Atem. Explodierende Kosten erzeugen Unzufriedenheit und wecken Begehrlichkeiten. Doch die Politik ist in einer Einbahnstrasse gefangen: Ständiger Leistungsausbau verbunden mit einem ständigen Anziehen der Regulierungsspirale prägen die Programme. Am Ende droht ein vollständig staatliches Gesundheitssystem — von der Einheitskasse über Preisdeckel bis zu Anbietern im Staatsdienst.

Einen Ausweg bietet dieses Programm nicht. Die internationale Erfahrung zeigt: Die Art der Finanzierung ist entscheidend für die Kosten und die Qualität eines Gesundheitssystems. Mehr Staat bedeutet dabei in aller Regel auch höhere Kosten, lange Wartezeiten und eine geringere Qualität. Nur mehr Eigenverantwortung, Auswahl und Wettbewerb können zugleich die Kosten senken und die Qualität erhöhen. Diese Lehre dokumentiert eindrücklich der neue LI-Sammelband «Heilung für das Gesundheitswesen» (demnächst bestellbar). Im Rahmen einer LI-Konferenz — zugleich Vernissage des neuen Bandes — konnten nun drei der Autoren einige ihre Erkenntnisse der Öffentlichkeit präsentieren.

Werner Widmer, Direktor der Stiftung Diakoniewerk Neumünster und Dozent der Universität St. Gallen, machte sich an, einige populäre Irrtümer zu widerlegen — gestützt auf eindeutige Statistiken. Widmer zeigte, wie die Gesundheitskosten zuletzt deutlich stärker anstiegen als die Wirtschaftsleistung — und damit Ressourcen aus anderen Sektoren abzogen. Die Schweiz weise dabei im internationalen Vergleich eine hohe Versorgungsdichte aus. Allerdings sei die Verteilung der Leistungserbringer im staatlich gesteuerten Sektor der Spitalversorgung ausgesprochen ungleich. In vielen Landstrichen deute sich eine Überversorgung an. Der noch private finanzierte Sektor der zahnärztlichen Versorgung zeige dagegen schweizweit eine ausgeglichene Versorgung — hier sei das Angebot nicht politisch determiniert sondern entspreche der Nachfrage. Gleichzeit wüchsen die Kosten in diesem Bereich langsamer als das BIP. Die Kostenexplosion des Gesundheitswesens sei damit offenkundig dem staatlich gelenkten Bereich zuzuordnen.

Frederik Roeder, Inhaber der Beratungsgesellschaft Healthcare Solutions, skizzierte im Anschluss eine Weltreise durch die Gesundheitssysteme. Eindrücklich schilderte er die höhere Effizienz und Qualität privater Krankenhäuser in Deutschland im Vergleich zu den dortigen öffentlichen Anbietern. Er berichtete von exorbitanten Wartezeiten im staatlichen Gesundheitssystem Kanadas, welches zu einem Gesundheitstourismus verzweifelter Patienten führe. Eigene Studien zeigten zudem, dass gerade die weniger gut Verdienenden unter öffentlichen Gesundheitssystemen litten. Ärmere Kanadier könnten sich etwa keine Auslandsbehandlung leisten. Die Kunden staatlicher Gesundheitssysteme in Osteuropa müssten häufig hohe Bestechungsgelder für Behandlungen zahlen, welche die Kosten einer privaten Versicherung überstiegen. Im Gegensatz dazu habe die Privatisierung des Gesundheitswesens in Georgien zu einem sprunghaften Anstieg der Angebotsbreite und -qualität geführt. In Singapur könnten alle Bürger in Gesundheitssparkonten ein persönliches Vermögen aufbauen, welches sogar vererbt werden könne, wenn der Versicherte es in seiner Lebenszeit nicht verbrauche.

Zum Abschluss stellte Gerd Habermann, Honorarprofessor der Universität Potsdam und Präsident der Hayek Stiftung, die Entwicklung des Gesundheitswesens in den Kontext der wohlfahrtsstaatlichen Entwicklung des Westens. Der Wohlfahrtsstaat sei geprägt von einer politischen Ideologie der Gleichheit, welche Vielfalt, Wettbewerb, Markt- und zivilgesellschaftliche Lösungen ablehne und zunehmend verdränge. Habermanns Studien zeigten, dass bereits im 18. Jahrhundert liberale Autoren von Adam Smith über Kant bis Schiller kritisierten, dass der Wohlfahrtsstaat keineswegs eine Hilfe für Bedürftige sei. Er zwinge alle Menschen, auch solche, die für sich selbst sorgen können und wollen, in entmündigende Systeme, verdränge so Wettbewerb und verzehre Kapital. Gerade im Gesundheitswesen sei jedoch Eigenverantwortung für die Gesundheitspflege von elementarer Bedeutung. Auch die Bildung von Kapital könne allein für einen medizinischen Fortschritt und Versorgungssicherheit im Alter sorgen. Notwendig seien daher die Abkehr vom Automatismus einer zunehmend drangsalierenden Regulierungsspirale und die Erkundung wettbewerblicher Alternativen.

22. September 2013