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In Verteidigung des Euro — und die Kapitalfehler der EZB und des EU-Interventionismus

Jesús Huerta de Soto

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LI-PAPER. Unzählige Kritiker des Euro hassen ihn wegen seiner grössten Tugend: Die Fähigkeit, verschwenderische Politiker zu disziplinieren.

Es ist in gewisser Weise amüsant (und gleichzeitig peinlich) festzustellen, wie die Legion von Sozialingenieuren und politischen Interventionisten, die seinerseits angeführt von Jacques Delors die Einheitswährung als ein weiteres Instrument ihres grandiosen Projekts einer politischen Union Europas auslegten, heute mit Verzweiflung etwas betrachten, was sie in keinem Fall vorhersehen konnten: dass der Euro sich de facto wie der Goldstandard verhalten hat; Bürger, Politiker und Regierungen diszipliniert, den Demagogen die Hände bindet, die Interessengruppen blossstellt (angeführt von den immer privilegierten Gewerkschaften) und sogar die Nachhaltigkeit und Fundamente des Wohlfahrtstaats selbst in Frage stellt.

Neben den «Eurofanatikern», welche sich immer an irgendeinen Vorwand hängen, mit dem sie eine grössere Macht und Zentralismus zu Gunsten Brüssels rechtfertigen können, gibt es heute zwei Gruppen, welche zur Unterstützung der politischen Union zusammenarbeiten. Einerseits und paradoxerweise die Feinde des Euro vor allem angelsächsischen Ursprungs: Die Nordamerikaner, geblendet von der Zentralmacht aus Washington und sich dessen bewusst, dass ihr Modell in Europa nicht wiederholbar ist, wissen, dass sie mit ihrem Vorschlägen einen zersetzenden, tödlichen Virus für den Euro einführen. Die Briten nutzen den Euro (ungerechtfertigter Weise) als Sündenbock, um darauf ihre (vollkommen gerechtfertigten) Frustrationen über den wachsenden Interventionismus aus Brüssel zu stülpen. Die zweite Gruppe besteht aus jenen Theoretikern und Denkern, die glauben, dass nur ein zentrales Regierungsorgan die Ziele für Defizit und Staatsverschuldung, welche in Maastricht vereinbart wurden, garantieren kann. Dieser Glaube ist falsch. Der Mechanismus der Währungsunion selbst garantiert, genau wie beim Goldstandard, dass jene Länder, welche die Haushaltsstrenge und Stabilität verlassen, ihre Solvenz gefährdet sehen und sich bedrängt sehen, schnellstens Massnahmen zu ergreifen, um die Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen wiederzugewinnen.

Trotz dieser Beobachtungen liegt das grösste Problem nicht in der Gefahr der unmöglichen politischen Union, sondern in der unbestreitbaren Tatsache, dass eine Politik der Kreditausweitung, welche von der Europäischen Zentralbank während einer Phase eines scheinbaren ökonomischen Booms dauerhaft durchgeführt wird, in der Lage ist, zumindest zeitweise den disziplinierenden Effekt des Euro auf die Wirtschaftsakteure der Mitgliedsländer zu eliminieren. Und so bestand der fatale Fehler der Europäischen Zentralbank darin, Europa nicht zu isolieren und vor der grossen Kreditausweitung zu schützen, welche weltweit durch die Federal Reserve der Vereinigten Staaten seit 2001 organisiert wurde.

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Juni 2012

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