Künstliche Intelligenz und der Liberalismus

Christian H. Hoffmann

    LI-PAPER. Können Maschinen bessere Entscheidungen treffen als Menschen? Muss die Wahlfreiheit nun überdenkt werden?

    Ausgehend vom Gedankenexperiment, dass eine uns Menschen überlegene Maschine existiert, die insbesondere alle Widersprüche zu eruieren, Inkohärenzen zu messen und mit ihnen auf weitaus rationalere Weise umzugehen vermag, wird die liberale Wahlfreiheit in einer Welt aufkommender künstlicher Intelligenz (KI) vermehrt in Zweifel gezogen, weil solche Maschinen bessere Entscheidungen als Menschen selbst treffen würden.

    Die neue Welle von KI betrifft genau genommen aber nicht Intelligenz, sondern vielmehr eine kritische Komponente von Intelligenz, nämlich Vorhersagen. Vorhersagen basieren auf vorhandenen Daten, auf bestehendem Wissen. Intelligenz ist jedoch viel breiter und vielschichtiger als reine Vorhersage: Intelligenz umfasst unter anderem die Fähigkeit zu Logik, Verständnis, Selbstbewusstsein, Lernen, emotionalem Wissen, rationalem Denken, Planung, Kreativität und Problemlösung. Sie, so meinte der Schweizer Psychologe Jean Piaget, ist all das, was man einsetzt, wenn man nicht weiss, was man tun soll.

    In rigiden Umgebungen, wo regelmässig viele menschliche Entscheidungen getroffen werden und wo viele Daten darüber sowie über die dafür wiederum herangezogenen Daten zur Verfügung stehen, wird es wahrscheinlich sein, dass solche Entscheidungen durch KIs automatisiert werden. Menschen laufen jedoch nicht Gefahr, in die Überflüssigkeit abzudriften. Denn zum einen passen viele Fälle gar nicht in dieses Schema. Zum anderen blieben Menschen eine Ressource («Humankapital»), die «irgendwo» zum Einsatz kommen wird, weil es immer menschliche Bedürfnisse geben wird, die unbefriedigt sein werden.

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    August 2018

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