Matte wirtschaftliche Freiheit

Weltweite Einengung der Spielräume durch Staatsaktivismus

Die Ausweitung von Staatstätigkeit, öffentlichen Ausgaben und hoheitlichen Schulden drückt unweigerlich auf die wirtschaftliche Freiheit der Bürger. Dies ist eine der wichtigsten Botschaften der jüngsten Ausgabe des Berichts «Economic Freedom of the World», der über das Ganze gesehen eine Eintrübung der Verhältnisse zeigt. Der Index für wirtschaftliche Freiheit ist innerhalb eines Jahres von 6,67 auf 6,64 Zähler (auf einer Skala von 1 bis 10) gesunken. Laut den Angaben ist dies das niedrigste Niveau der vergangenen 30 Jahre. Die Benotung wird durch das kanadische Fraser Institute in Kooperation mit weltweit 75 unabhängigen Institutionen (darunter dem Liberalen Institut in der Schweiz) ermittelt und beruht auf der Beurteilung von 42 Indikatoren der politischen Rahmenbedingungen eines Landes.

Ins Auge sticht, dass die USA im Jahresbericht 2011 vom 6. auf den 10. Platz zurückgefallen sind; innerhalb eines Jahrzehnts glitt die grösste Volkswirtschaft der Welt von Spitzenrängen in die Nähe der Mittelmässigkeit ab, nachdem das rasante Wachstum der Staatsausgaben und der Staatsschulden, dazu die Einschränkung der Rechtssicherheit sowie eine Erosion der Eigentumsrechte immer deutlicher ihre Wirkungen gezeigt hatten.

Mit Blick auf die Schweiz ist der Befund etwas ermutigender, das Land liegt auch in der Ausgabe 2011 weltweit auf dem 4. Platz und erhält unter den europäischen Ländern die beste Gesamtnote (8,03) in Bezug auf wirtschaftliche Freiheit. Sieger in der jüngsten Rangliste ist wiederum Hongkong (9,01), dahinter - und vor der Schweiz - liegen Singapur (8,68) und Neuseeland (8,20). Am Schluss der Rangliste findet sich Simbabwe, dies mit wenig Rückstand auf Myanmar und Venezuela.

Die Autoren wenden sich auch in der jüngsten Ausgabe den Wechselwirkungen zwischen Freiheit und Lebensqualität zu. Die Befunde deuten darauf hin, dass eine Stärkung der wirtschaftlichen Freiheit unter anderem mit einem steigenden Pro-Kopf-Einkommen und höherer Lebenserwartung einhergeht (vgl. Grafik). Ähnliches gilt für den durchschnittlichen Bildungsgrad und die Gesundheitsversorgung der Bürger.

Beat Gygi, Neue Zürcher Zeitung

September 21, 2011