Alle Medien sind irgendwie liberal — oder doch nicht

Max Frenkel analysiert die aktuellen Entwicklungen der Schweizer Medienlandschaft.

Anlässlich des Liberalen Gesprächs zum Thema „Medien und Liberalismus“ am 29. Oktober 2009 am Liberalen Institut analysierte Max Frenkel die aktuellen Entwicklungen der Schweizer Medienlandschaft.

Dabei stellte der Referent fest, dass die Bezeichnung „liberal“ sich einer enormen Popularität unter Medienschaffenden erfreue. Nur die wenigstens verstünden darunter jedoch ein konsequentes Eintreten für individuelle Freiheiten und Eigenverantwortung. Vielmehr sei der Liberalismus-Begriff der Journalisten vage mit „Offenheit für alles Mögliche“ zu übersetzen. Frenkel kritisierte die zunehmende Profillosigkeit führender Medien. Das Berichten über politische Entwicklungen erfordere aus seiner Sicht einen klar definierten eigenen Standpunkt. Die Leser oder Zuschauer müssten in der Lage sein, einen Kommentar vor dem Hintergrund der politischen Position des Kommentators interpretieren zu können. Politische Beliebigkeit sei daher keine gute Grundlage für journalistische Information und Aufklärung. Erstaunlich sei daher auch die Position des Presserates, der politisches Engagement unter Journalisten ablehne. Frenkel dazu: „Politische Kommentare sind nunmal politisch.“

Darüber hinaus forderte Frenkel aber auch mehr Musse für heutige Medienschaffende. Journalisten hätten Kontakte zu pflegen, zu lesen, Informationen zu sammeln, ohne dabei stets auf einen bestimmten Bericht hinzuarbeiten. Eine reflektierte und kritische Berichterstattung setze voraus, dass der Journalist über einen „Rucksack“ mit notwendigen Fähigkeiten verfüge, darunter Sprachfertigkeit, historische, ökonomische und politische Bildung, gewisse staatsrechtliche Grundkenntnisse und eben auch ein gut gepflegtes Beziehungsnetzwerk. Ein solcher „Rucksack“ mache den Journalisten auch unabhängiger von politischen und ökonomischen Einflussversuchen, aber auch den Verlockungen einer zunehmend professionellen PR — etwa aus dem Bundeshaus.

Abschliessend stellte Frenkel jedoch fest, dass der Journalist stets nur ein Glied einer „Ideenschöpfungskette“ sei, dessen Ende der Nutzer darstellt. Wenn der Journalismus daher zunehmend Teil einer oberflächlichen Unterhaltungsindustrie werde, dann liege das vor allem auch am Nachfrageverhalten der Leser und Zuschauer. Ein Mediensystem sei demnach immer Teil der Gesellschaft — wenn es der Gesellschaft an politischem, ökonomischem und historischem Tiefgang fehle, werde das Mediensystem dies reflektieren. Die politische Beliebigkeit zahlreicher Leitmedien sei daher auch darauf zurückzuführen, dass der entschiedene Liberalismus auch unter den Bürgern zu wenige Verfechter finde.

15. November 2009