Neuer Sitz des Liberalen Instituts in der italienischen Schweiz

Der letzte Meilenstein zur Stärkung der Ausstrahlung der Freiheitsidee im ganzen Land ist gesetzt.

Dieses Jahr markiert einen Meilenstein im Werdegang des Liberalen Instituts. Mit der erfolgreichen Einweihung des neuen Sitzes für die italienische Schweiz in Lugano am 28. April wurde nach einer Konsolidierung der Aktivitäten in der deutschen und der französischen Schweiz bei der Umsetzung der Strategie zur gesamtschweizerischen Ausstrahlung des Liberalen Instituts, die Ende 2007 angefangen hat, der Schlussstein gesetzt. Diese letzte Wegmarke unterstreicht den eidgenössischen Geist des Instituts und dessen Einsatz für Eigenverantwortung, politische Dezentralisierung und Wirtschaftsfreiheit. Das Istituto Liberale, das in der via Nassa 38 zu Hause ist, stellt einen eigenen Vorstand, der vom renommierten Philosophen Carlo Lottieri, der am Istituto di Studi Filosofici in Lugano lehrt, präsidiert wird. Es ist eine ideale Plattform für die Entfaltung des Liberalen Instituts in italienischer Sprache.

Die Einweihungsfeier, die rund 60 Personen in Lugano zusammenbrachte, wurde vom Ökonomen Paolo Pamini, Vizepräsident des Istituto Liberale und seit langem eng mit dem Liberalen Institut verbunden, eröffnet. Pamini rief die vom Institut vertretene Philosophie in Erinnerung: die Freiheit des Einzelnen, die auf seiner Urteilsfähigkeit, seinem freien Willen und Verantwortungsbewusstsein fusst; der Vorrang der bürgerlichen Gesellschaft auf der Grundlage von freiwilligen Vereinigungen, der Familie und der Marktwirtschaft; schliesslich die Verbundenheit mit der grossen Tradition des Liberalismus. Das Institut sei bekannt für die Klarheit und Unabhängigkeit seiner Publikationen und Aktivitäten auf den Gebieten der politischen Ökonomie und der Ideengeschichte. Die junge Generation zähle zu den bevorzugt angesprochenen Gruppen. Das Institut finanziere sich ganz aus privaten Mitteln - jeder, der einen Beitrag leisten möchte, sei eingeladen, dies zu tun.

Der Institutsdirektor Pierre Bessard hob in seiner Grussadresse die Mehrsprachigkeit als hohen Wert für die bürgerliche Schweiz hervor, da die Schweiz nicht eine Nation im üblichen Sinn, sondern eine Wertegemeinschaft sei, die sich um den alles entscheidenden Wert, die individuelle Freiheit, gebildet habe. Dies habe sich einerseits im traditionellen liberalen Widerstand gegen die umliegenden Staatsformen gezeigt, aber auch im positiven Programm des Liberalismus, welches aus der Anerkennung der persönlichen Freiheit, der Ethik der Verantwortung und der Achtung des Eigentums bestehe. Bessard rief die Geschichte des Instituts in Erinnerung, das sich vor acht Jahren erneuert habe und dessen Ursprünge auf den Einsatz aufgeklärter Patrioten in allen Epochen und Regionen zurückgehe. Wie die Schweiz habe es also keine gradlinige, sondern eine vielstimmige und komplexe Geschichte. Das Institut sei heute besser denn je in der Lage, die Fackel der Freiheit im ganzen Land zu verbreiten.

Der Eröffnungsvortrag von Prof. Carlo Lottieri bezog sich schliesslich auf die besondere liberale Erfahrung der Schweiz, einerseits durch grosse Denker wie Benjamin Constant, andrerseits und vor allem aber durch die Übung in persönlicher Freiheit, Selbstregierung und Verantwortung. Die Kultur, die Identität und der Geist der Schweiz seien das Gegenteil von Sozialismus und kollektivistischen Tendenzen, wie Wilhelm Röpke schon festgestellt habe. Das Recht, das Eigentum und also die Freiheit seien bereits die Grundlage der alten Eidgenossenschaft gewesen, als die meisten anderen politischen Systeme noch von der Logik von staatlicher Macht und Souveränität beherrscht waren. Die Schweiz mit ihrer starken lokalen Verankerung sei zutiefst europäisch und abendländisch, wohingegen die Zentralisierung der Macht auf nationaler und europäischer Ebene sich von diesem Erbe entferne. Die vergleichsweise Robustheit der Institutionen der Schweiz, ihre wirtschaftliche Schaffenskraft und ihre Lebensqualität seien die logische Folge. Die gegenwärtige Situation werde aber mit der zunehmenden Reglementierung, dem anschwellenden Sozialstaat und der steigenden Steuerlast in Frage gestellt. Die Risiken, die sich aus der Krise der Staatsschulden, der expansiven Geldpolitik und der kollektivistischen wohlfahrtsstaatlichen Systeme in Europa und Nordamerika ergeben, machten im Übrigen ein grundlegendes Nachdenken über die Voraussetzungen einer freien Gesellschaft nötig. Umso wertvoller und unerlässlicher sei daher die Arbeit des Liberalen Instituts.

29. April 2016