Weshalb die Schweiz freiheitlicher ist als Österreich

Roland Vaubel

    LI-PAPER. Trotz ähnlicher Voraussetzungen sind die beiden Länder politisch sehr verschiedene Wege gegangen.

    Die beiden Länder Schweiz und Österreich haben ganz ähnliche Voraussetzungen hinsichtlich der Geographie, der Bevölkerungszahl und der frühen Stämme, von denen sie abstammen. Politisch sind sie jedoch sehr verschiedene Wege gegangen. Die Schweiz wurde historisch zu einem der freiesten Länder der Welt, während sich Österreich mit dem Liberalismus schwertat. Weshalb?

    Eine wichtige Rolle spielte die Religionsfreiheit, die in der Schweiz einen höheren Stellenwert hatte. Während die Habsburger die Reformation bekämpften, wirkten in der Schweiz mit Zwingli in Zürich und Calvin in Genf zwei führende Reformatoren. Nicht-Katholiken wurden in Österreich verfolgt, während sich in der Schweiz eine religiöse Toleranz entwickelte. Ausserdem wurden Liberale in fast allen Landesteilen der Schweiz geduldet. Es galt Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit, und der Staat respektierte das Briefgeheimnis. In Österreich wurden Liberale zu Staatsfeinden erklärt, bespitzelt, schikaniert und willkürlich verhaftet.

    Neben ideellen und kulturellen Faktoren mag auch die Geographie eine Rolle gespielt haben. Während die Schweiz im Westen der Alpen eingezwängt war, konnte Österreich nach Osten expandieren. Frankreich verhinderte, dass die Eidgenossenschaft über das Tessin hinaus nach Italien expandieren konnte, was zur Festschreibung der schweizerischen Neutralitätspolitik führte. Die eroberten Ressourcen der habsburgischen Ostgebiete versetzten Österreich in die Lage, seine Rivalen bei deutschen Kaiserwahlen und bei lukrativen Heiratsanträgen auszustechen und ihre Machtbasis immer weiter zu vergrössern, was dem Zentralismus den roten Teppich ausrollte.

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    Februar 2020

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