Strategien zur Pandemiebekämpfung

Konstantin Benz

    LI-PAPER. Die meisten Regierungen Europas setzen auf Autoritarismus. Doch dieser Ansatz birgt enorme Risiken.

    Zur Eindämmung der Pandemie werden derzeit vereinfacht gesagt zwei Strategien angewandt: einerseits eine autoritäre Strategie, die auf Lockdowns und staatlichen Zwangsmassnahmen basiert, andererseits eine dialogorientierte Strategie, bei der staatliche Akteure Empfehlungen aussprechen und weitgehend auf die Eigenverantwortung der mündigen Bürger setzen. In vielen Medien werden die auf Selbstverantwortung basierenden Strategien stark kritisiert, während autoritäre Pandemiebekämpfungs-Versuche als wirkungsvoll und effizient dargestellt werden. Für die behauptete Effizienz autoritärer Zwangsherrschaft gibt es jedoch keine empirischen Belege.

    Die meisten Regierungen Europas haben sich für eine autoritäre Strategie entschieden. Demgegenüber gibt es Staaten wie Schweden oder die Niederlande, welche die gegenwärtige Corona-Pandemie ohne harte Lockdowns und Notrecht bekämpfen. Statt auf Verbote und Bussgelder setzen diese Regierungen tendenziell eher auf Aufklärung, Eigenverantwortung und einen offenen Dialog mit den Bürgern. Allen Unkenrufen zum Trotz könnte sich die dialogorientierte Politik mittel- bis langfristig als die erfolgreichere Strategie erweisen.

    Die Entmündigung des Bürgers stellt einen Bruch mit der liberalen Tradition der Schweiz dar. Dadurch wird ein Klima des Misstrauens zwischen Bürgern und staatlichen Behörden geschaffen, während zugleich die politische Stabilität gefährdet wird. Die gegenwärtige Pandemie lässt sich nur dann wirkungsvoll und über mehrere Jahre hinweg bekämpfen, wenn die soziale Akzeptanz von Pandemiebekämpfungsmassnahmen gewährleistet bleibt, was nur mit einer dialogorientierten Strategie gelingen kann.

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    Oktober 2020

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