Liberales Institut im Dienst der Freiheit

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Umweltschutz als Freiheitsschutz

Das diesjährige LI-Symposium eröffnete Einblicke in den liberalen Kern des Umweltschutzes.

«Umweltschutz — durch mehr Markt oder mehr Zwang?» Diese Frage stellte am 12. und 13. Juni das Symposium 2008 des Liberalen Instituts — und bot zugleich eine Reihe anregender Antworten. Den Auftakt gab am Donnerstagabend eine öffentliche Vortragsveranstaltung im Auditorium der Hochschule für Wirtschaft Zürich. Der deutsche Publizist Michael Miersch unterschied dabei einführend die aufrichtige Sorge um den Zustand der Natur, oder Ökologie, vom „Ökologismus“, einer weitgehend substanzlosen Ideologie, welche wirksame Massnahmen durch Sprechblasen und Symbolpolitik zu ersetzen droht — letztlich zum Schaden der Umwelt. Im Anschluss beschrieb Fred L. Smith Jr., Gründer und Präsident des amerikanischen Competitive Enterprise Institute, klassisch liberale Ansätze des Umweltschutzes. Er bezog sich dabei auf seine Erfahrungen im Rahmen einer Tätigkeit als Mitarbeiter des amerikanischen Umweltministeriums, welche ihn zu der Überzeugung führten, dass der Staat durchaus nicht stets als der geeignete Hüter einer intakten Umwelt zu betrachten ist.

Am Folgetag lud das Liberale Institut 30 Teilnehmer zu einem Tagesseminar, welches die Ausgangsfrage des Symposiums in fünf intensiven Diskussionsrunden beleuchtete — jeweils begleitet durch einige einführende Anmerkungen kompetenter Referenten aus dem In- und Ausland. Steffen Hentrich, wissenschaftlicher Mitarbeiter des deutschen Sachverständigenrats für Umweltfragen sowie des Instituts für Unternehmerische Freiheit, beschrieb einführend das Problem der Umweltverschmutzung als einen zwischenmenschlichen Konflikt um knappe Ressourcen. Fragen des Umweltschutzes könnten vor diesem Hintergrund nicht ohne eine Betrachtung der beteiligten Personen und ihrer Verfügung über Ressourcen beantwortet werden. Julian Morris, Gründer und Präsident des britischen International Policy Network, demonstrierte eindrücklich den positiven Zusammenhang von ökonomischer Entwicklung, zunehmendem Wohlstand, verbesserter Gesundheit der Bürger und abnehmender Umweltbelastung in verschiedenen Teilen der Erde. Er machte deutlich, dass auch heute noch unzählige Menschen weltweit massiv an Umweltbelastungen — etwa des Wassers und der Luft — leiden, und dass nur ein institutioneller Rahmen, welcher zuverlässig Eigentumsrechte an natürlichen Ressourcen definiert, diesem Zustand abzuhelfen in der Lage ist.

Am Nachmittag plädierte der deutsche Publizist Edgar Gärtner für eine rationale Kosten-Nutzen-Abwägung auch in der Umweltpolitik. Der staatliche Schutz der natürlichen Ressourcen und menschlichen Gesundheit dürfe letztlich nicht zu einer Netto-Belastung derselben führen. Gärtner sprach sich daher vor allem gegen die kompromisslose Anwendung des «Vorsorge-Prinzips» aus. Er stellte die provokative These auf, dass der Mensch, um die eigene Entwicklung, ja das eigene Leben nicht zu hemmen, Risiken letztlich stets ein Stück weit auf sich zukommen lassen müsse. Rahim Taghizadegan, Vorstand des österreichischen Instituts für Wertewirtschaft, beschrieb vor diesem Hintergrund den Schutz der Umwelt oder der Natur als ein legitimes menschliches Ziel, welches mit dem Mittel des Marktes erreicht werden könne. Letzteres setze jedoch eine persönliche Verantwortung der Teilnehmer voraus — womit an das Plädoyer der Vorredner für die Definition und Sicherung privater Eigentumsrechte an natürlichen Ressourcen angeknüpft werden konnte.

Den Abschluss der Veranstaltung boten Prof. Rudolf Minsch, Chefökonom der Economiesuisse, und Robert Nef, Präsident der Stiftungsrates des Liberalen Instituts, mit einem Dialog zur Frage: «Wie grün ist der Liberalismus?» Beide plädierten dabei für Eigeninitiative und Freiwilligkeit in der Umsetzung von Umweltschutzmassnahmen. Nef wies darauf hin, dass erzwungene Massnahmen oft versagten, da sie nur zu Ausweichmassnahmen der Betroffenen führten. Sie böten damit keine Alternative zu Freiheit und Eigeninitiative. Das Symposium wurde mit dem gemeinsamen Wunsch beschlossen, eine neue Offenheit für geeignete Massnahmen des Umweltschutzes — jenseits politischer oder ideologischer Dogmatik — zu entwickeln und verteidigen.

Unter reger Beteiligung der Teilnehmer konnte das LI Symposium 2008 so die Erkenntnis stärken, dass sichere Eigentumsrechte und individuelle Verantwortung im Rahmen eines freien Wettbewerbs einen nicht nur liberalen, sondern vor allem auch wirksamen Ansatz des Umweltschutzes darstellen.

«Wealth, Health and the Environment», Präsentation von Julian Morris (pdf)

«Umweltschutz jenseits der Rationalität», Thesen von Edgar Gärtner (pdf)
«Wirtschaftlicher Selbstmord aus Angst vor der Klimakatastrophe», Präsentation von Edgar Gärtner (pdf)

Komplettes Programm des LI-Symposiums (pdf)
Referenten (pdf)

13. Juni 2008