Wilhelm Röpke-Kongress: ein intellektuelles Feuerwerk

Die Aktualität eines der herausragenden und einflussreichsten liberalen Denker des 20. Jahrhunderts.

Der Wilhelm Röpke-Kongress fand vom 14. bis zum 16. April am Maison de la Paix des Graduate Institute in Genf statt, wo Röpke bis zu seinem Tod im Jahr 1966 als Professor für internationale Beziehungen lehrte und seine Hauptwerke Die Gesellschaftskrisis der Gegenwart, Civitas Humana und Internationale Ordnung verfasste.

Wilhelm Röpke (1899-1966) ist als liberaler Wirtschaftswissenschaftler und als Gründungsmitglied der Mont Pèlerin Society bekannt, die er gemeinsam mit Ludwig von Mises und Friedrich A. von Hayek aufbaute. Man kennt ihn auch für seinen nachhaltigen Einfluss auf die liberale Wirtschaftspolitik im Nachkriegsdeutschland sowie vor allem in der relativ liberalen Schweiz, die er in mancher Hinsicht als ein ideales Land ansah. Seine Beiträge in der Neuen Zürcher Zeitung und den Schweizer Monatsheften sowie in der liberalen Gazette de Lausanne prägten mehrere Generationen in der ganzen Schweiz.

Röpkes frühe Publikationstätigkeit galt den Konjunkturzyklen, einem Spezialgebiet der Wirtschaftslehre. Hinzu kamen weitreichende sozialphilosophische Arbeiten, in denen er wiederholt sein Unbehagen angesichts der Symptome und Ursachen einer möglichen Selbstzerstörung der modernen westlichen Zivilisation ausdrückte.

Röpkes Exkursion in die Sozialphilosophie und Geschichtsforschung veranlasste ihn, dem Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Politik ein besonderes Augenmerk zu schenken. Seiner Überzeugung nach war keine westliche Demokratie völlig gegen das Risiko autoritärer Tendenzen gefeit. So kritisierte er den Interventionismus und Protektionismus, den Wohlfahrtsstaat und die Zentralisierung der Politik. Alle diese Entwicklungen verringern nach Röpke die persönliche Freiheit.

Mit Blick auf gegenwärtige Entwicklungen eröffnen sich zahlreiche tiefgehende wie auch drängende Fragen an Röpkes Werk, die im Rahmen des Kongresses diskutiert wurden: Unter welchen Bedingungen entstehen Finanzkrisen? Wie sind sie mit moralischen Krisen verbunden? Was macht eine «soziale Marktwirtschaft» aus? Was ist das Fundament für ertragreiche aussenpolitische Beziehungen? Wie sollte eine stabile internationale Ordnung gestaltet sein?

Nach einem zweitätigen Kolloquium, das mit einem Referat des amerikanischen Ökonomen Richard Ebeling, Professor für Ethik und freies Unternehmertum an The Citadel, eröffnet wurde, hielt der einflussreiche peruanische Entwicklungsökonom Hernando de Soto, ein ehemaliger Student von Röpke in Genf, der Hauptvortrag. Er thematisierte auf packende Art die entscheidende Bedeutung des Eigentums für die Eigenständigkeit und den Wohlstand der ärmsten in der Welt. Darauf folgte eine öffentliche Tagung mit unterschiedlichen Perspektiven über die ethische Grundlage der Marktwirtschaft, die anhaltende Mühe der Intellektuellen mit der Marktgesellschaft, die Risiken des Wohlfahrtsstaates, Röpkes Wirkung und entscheidende Rolle in der Schweiz und weitere spannende Themen.

Weitere Berichte folgen. Es sind zudem verschiedene wissenschaftliche sowie allgemeine Publikationen im Zusammenhang mit dem Wilhelm Röpke-Kongress in Vorbereitung.

Vollständiges Programm (4 Seiten, PDF)

Referenten öffentliche Vortrag und Tagung (2 Seiten, PDF)

18. April 2016