Negativzinsen: Folge- und Nebenwirkungen

Pascal Hügli

    LI-PAPER. Mit heruntermanipulierten Zinsen wird zurzeit ein fragiles Kartenhaus aufgebaut.

    Aus keynesianischer Sicht sind Zinsen eine politische Steuerungsgrösse, die es durch eine Zentralbank festzulegen gilt und mit denen man je nach Bedarf etwas herumspielen darf, um etwa die Wirtschaft «anzukurbeln» oder dringend nötige Korrekturen zu verhindern. Die Folgen eines solchen Zins-Verständnisses sind jedoch gravierend: Unrentable Unternehmen, die Ressourcen zum Schaden der Allgemeinheit verschwenden und für unproduktive Zwecke einsetzen, können so nicht pleitegehen und werden dank billigem Geld zu «Zombie-Unternehmen». Selbst, wenn die Akteure festgestellt haben, dass ein solches Unternehmen keinen Wert mehr erzeugt und von entsprechenden Obligationen-Käufen absehen, werden sie weiter durch gigantische Anleiheaufkauf-Programme der Zentralbanken künstlich am Leben erhalten. Dadurch wird Bestehendes auf Kosten von Neuem subventioniert und Innovation abgewürgt.

    Ein besseres Verständnis dafür, was Zinsen überhaupt repräsentieren und wie sie die Wirtschaftsleistungen koordinieren, tut Not. Freie Marktzinsen zeigen im Wesentlichen die Zeitpräferenz der Marktteilnehmer an und offenbaren, welche Mittel heute gespart und investiert werden, damit zu einem späteren Zeitpunkt bessere Produkte gekauft werden können. Werden Zinsen planwirtschaftlich festgelegt, verschwindet diese zuvor dezentral erzeugte Informationsvielfalt und weicht politischen Befehlen von einigen wenigen. Weil sich bei diesen Zentralplanern jedoch niemals soviel Wissen ansammeln kann wie im freien Markt, sind Verwerfungen über kurz oder lang die logische Konsequenz.

    Aufgrund der politisch heruntergedrückten Zinsen kommt es zudem zu Rendite-Engpässen. Pensionäre etwa können nicht wie einst geplant von den Zinsen ihrer Ersparnisse leben. Auch institutionelle Anleger geraten in Not und werden aufgrund entsprechender Regulierungen sogar gezwungen, Negativzins-Anlagen zu kaufen. In der Hoffnung, dieses Verlustgeschäft wieder ausgleichen zu können, wird zunehmend auch in riskante Anlagen investiert, was die Systemrisiken erhöht. Dies führt dazu, dass beispielsweise europäische «Junk-Bonds» billiger geworden sind als US-Staatsanleihen und damit Kreditrisiken nicht mehr länger eingespeist werden, was einer Ausschaltung des wirtschaftlichen Warnsystems gleichkommt und das Finanzsystem in ein Kartenhaus verwandelt hat, das jederzeit zusammenfallen könnte.

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    Mai 2018

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