Die Mythen der Agrarplanwirtschaft

Hans Rentsch plädierte am LI für einen sachlicheren Umgang mit der Frage der Landwirtschaft.

Die Landwirtschaftspolitik der Schweiz gleicht heute einer anachronistischen Bastion der Planwirtschaft, welche sich hartnäckig Marktliberalisierungen widersetzt. Die Bürger finanzieren dabei die staatlichen Fehlsteuerungen gleich zweifach: Durch hohe Steuern und hohe Preise. Warum aber widersteht der Agrarsozialismus dennoch seit Jahrzehnten jeglichen Reformbemühungen? Im Rahmen eines LI-Mittagsgesprächs führte der Ökonom Hans Rentsch dies vor allem auf populäre Mythen zurück, welche eine sachliche öffentliche Debatte um Kosten und Nutzen der Agrarpolitik verzerrten.

Basierend auf seiner aktuellen Publikation «Agrarpolitische Mythen» stellte Rentsch fest, dass entgegen gängiger Vorurteile die «Ernährungssouveränität» der Schweiz bereits heute eine Illusion darstelle, dass das «Bauernsterben» bestenfalls in einem schleichenden Prozess stattfinde oder dass der Freihandel nicht eine Gefahr, sondern die Voraussetzung für eine weltweite Ernährungssicherheit sei. Kritisch stellte Rentsch fest, dass der notwendige Strukturwandel der Schweizer Landwirtschaft durch die heutige Politik massiv gebremst werde. Die Konsumenten kämpften darum mit hohen Lebensmittelpreisen - ohne dabei auf eine überdurchschnittlich umwelt- oder tierschonende Produktionsweise zählen zu können.

Die Vielzahl populärer, wenn auch durch Fakten widerlegbarer Mythen erschwert die politische Durchsetzung notwendiger Anpassungen der Agrarpolitik. So weiss die Interessenvertretung der Landwirte die Mythen der Agrarpolitik geschickt zu instrumentalisieren. Eine starke Repräsentation der Bauern in Bundesbern sowie politökonomische Interessen zahlreicher Kantone kommen erschwerend hinzu. Rentsch zeigte sich dennoch überzeugt, dass marktwirtschaftliche Reformen gerade auch im Interesse unternehmerischer und fleissiger Landwirte seien. Eine ehrliche öffentliche Debatte um die Agrarpolitik erfordere aber vor allem eine transparente Offenlegung ihrer heutigen Kosten.

«Agrarpolitische Mythen»
Präsentation von Dr. Hans Rentsch

27. Februar 2009