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Von der paternalistischen zur freien Altersvorsorge

Es gibt attraktive Alternativen zur staatlichen Altersvorsorge, die sowohl ethisch als auch praktisch überlegen sind.

Wie sollen wir in Zukunft fürs Alter vorsorgen? Diese Frage betrifft uns alle, nicht nur, weil wir älter werden, sondern auch, weil wir in den gegenwärtigen staatlichen überregulierten Vorsorgesystemen ungefragt als Geisel gehalten werden. Die Verpflichtung zur staatlichen Altersvorsorge schafft viele Irrationalitäten, seien es die Heiligsprechung des Umverteilungssystems AHV und des «magischen» Rentenalters 65 oder auch die realitätsfremden gesetzlichen Vorgaben zur Zweiten Säule, wie die LI-Konferenz vom 25. Mai zeigte. Die Vermischung von Gesetz und Pseudo-Moral hat in diesem Bereich eine materielle Anspruchsinflation geschaffen, die immer schwieriger einzudämmen ist.

Im ersten Vortrag nahm Prof. Martin Janssen, Inhaber der Ecofin-Gruppe, eine Standortbestimmung des Drei-Säulen-Systems vor. Inflationsbereinigt lägen die Renten der Ersten Säule heute vier (bei der Maximalrente) bis sechs (bei der Minimalrente) Mal höher als zur Zeit der Einführung der AHV im Jahr 1948. Auf Basis diskontierter Beiträge und Leistungen weist das System heute ein Defizit von gegen 175 Prozent des Bruttoinlandprodukts auf. Wegen der hohen Einwanderung erscheint das System in der Kurzfristbetrachtung stabiler, als es tatsächlich ist. Der Charakter eines Schneeballsystems sei allerdings offensichtlich. Die Zweite Säule funktionierte vor ihrer Kollektivierung im Jahr 1985 reibungslos. Seitdem haben politisierte Regulierungen das Gleichgewicht empfindlich gestört. Angesichts der Lebenserwartung sollte beispielsweise der Umwandlungssatz mehr als zweimal niedriger sein als heute. Die fehlenden Mittel werden einfach den Erwerbstätigen weggenommen. Pensionskassen leiden an geschönten Bilanzen und fehlender Transparenz: Seit rund 20 Jahren werden zu hohe Renten ausbezahlt. Dies entspreche Diebstahl im grossen Stil zulasten der jungen Generation. Die freiwillige Dritte Säule hingegen sei korrekt finanziert, aufgrund der zu starken Regulierung und der fehlenden Transparenz aber teuer.

Präsentation von Prof. Dr. Martin Janssen:
«Die Altersvorsorge in der Schweiz: Eine Standortbestimmung»
(35 Seiten, PDF)

Dass der Privatsektor zu erheblich besseren Ergebnissen führt als die staatliche Erste Säule und die über- bzw. fehlregulierte Zweite Säule, zeigte im zweiten Vortrag Paolo Pamini, assoziierter Forscher am Liberalen Institut. Ein individueller Altersvorsorgeplan sei wesentlich ertragsreicher als die AHV, auch für wenig wohlhabende Bürger. Mit einem niedrigen Sparbetrag von 2250 Franken jährlich während 45 Jahren liesse sich mit einer mittleren Rendite die eigene «AHV» finanzieren. Auch bei tieferen Renditen seien die nötigen Sparbeträge viel niedriger als die umverteilten AHV-Lohnabzüge. Wichtig sei dabei, früh zu beginnen, um vom Vorteil der Zinsenzinsen zu profitieren. Die Lebenserwartung sei hingegen nicht entscheidend; ein solider Vorsorgeplan wird durch ein längeres Leben also nicht aus dem Gleichgewicht gebracht. Hier zeigt sich ein wichtiger Vorteil der Kapitalisierung : Nicht nur gehört das gesparte Kapital dem Einzelnen, sondern es kann auch vererbt werden. Dadurch liesse sich auch eine Vorsorge für die Nachkommen relativ leicht finanzieren. Mit einem Langzeithorizont und einem diversifizierten Portfolio aus Aktien, Obligationen, Gold und Bargeld könne über längere Zeit eine stabile Rendite erzielt werden. Damit würde die Vorsorge endgültig entpolitisiert.

Präsentation von Dr. Paolo Pamini:
«Das Potential kapitalisierter Vorsorge»
(23 Seiten, PDF)

Im Abschlussvortrag erinnerte LI-Direktor Pierre Bessard daran, dass die private, effiziente und dezentral organisierte Altersvorsorge vor deren Verstaatlichung eine Selbstverständlichkeit war. Die staatliche, alle Bürger umfassende Altersvorsorge sei nicht der Not entsprungen, sondern der politischen Willkür. Das Ziel des Erfinders des Umlageverfahrens, des antiliberalen deutschen Kanzlers Otto von Bismarck, war es, die Bevölkerung vom Staat abhängig zu machen, um die politische Kontrolle aufgrund des wachsenden Wohlstands und der zunehmenden Mündigkeit nicht zu verlieren. Es ging um die Infantilisierung der Bürger durch Vater (oder Mutter) Staat. Liberale in der Schweiz hatten daher an vorderster Front gegen die Einführung der «staatssozialistischen» AHV gekämpft. 1931 lehnten über 60% der Abstimmenden die verstaatlichte Altersvorsorge ab. Die spätere Annahme habe letztlich der Eigenverantwortung, dem Arbeitsethos und dem Vorsorgegedanken geschadet. Sie habe zudem den Sozialdemokratismus und die Umverteilungsmaschinerie des Staates gefördert. Dies mit ungeheuren steuerlichen Folgen. Heute finanziert die AHV fast 20 Jahre Rente, gegenüber 3 Jahren bei der Einführung. Ein einfacher Weg aus dieser Sackgasse bestände darin, das Referenzrentenalter zu erhöhen, um es der Lebenserwartung anzupassen, was viele Staaten inzwischen gemacht haben. Dies sei aber einer individualisierten Kapitalisierung deutlich unterlegen — sowohl moralisch, aufgrund der anhaltenden Umverteilung, als auch praktisch, angesichts der Rendite.

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In der Diskussion wurde hervorgehoben, dass die Anspruchsmentalität nach Jahrzehnten Regierungspropaganda rund um die AHV heute sicher nicht geringer sei als in der Vergangenheit. Daher sei der Übergang nur schon im Meinungsklima eine grosse Herausforderung. Es liege viel Aufklärungsarbeit über die objektive Vorteile der Kapitalisierung bevor. Eine solche Reform wäre nicht «schmerzhaft», wie gelegentlich angenommen wird. Vielmehr ermögliche sie eine Neuorientierung des Staates sowie Steuersenkungen. Damit würden auch produktive Ressourcen für Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen freigesetzt. Der Ball liege nun bei der jungen Generation, sich gegen den — leider durch die aktuelle, schlechte Gesetzgebung tolerierten — Diebstahl der Umverteilung in der Ersten sowie in der Zweiten Säule zu widersetzen.

26. Mai 2016